Neonazismus und Islamismus: Gemeinsam in den Ideen

Solidarität mit dem Opfer aus Charlottesville, Virginia: Heather Heyer. (Foto: Majka Czapski/flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0)

Am 12. August fährt der Neonazi James Alex Fields mutmaßlich mit seinem Auto in der US-amerikanischen Stadt Charlottesville im Bundesstaat Virgina in eine Gruppe antifaschistischer Demonstrant*innen. Es gibt dutzende Verletzte und eine Tote: Heather Heyer. Fünf Tage später soll der Verdächtige Younes Abouyaaquoub einen weißen Lieferwagen auf den touristischen Boulevard Las Ramblas in Barcelona gesteuert haben. Dabei wurden mindestens 15 Menschen getötet, 100 weitere verletzt. Der selbsternannte Islamische Staat (IS) gibt an, hinter dem Attentat zu stecken. Zwei Anschläge aus unterschiedlichen Richtungen. Dabei sind sich Neonazis und IS-Islamisten viel ähnlicher, als sie zugeben würden. Vier Gemeinsamkeiten.

1. Für die Führer
Was für die einen Adolf Hitler ist, ist für die anderen Abu Bakr al-Baghdadi. Im Juni 2014 rief letzterer in Mossul das Kalifat – also das Reich eines Stellvertreters Gottes auf Erden – aus und bezeichnet sich seither als Nachfolger des Propheten Mohammed. Sowohl Hitler als auch al-Baghdadi wurde und wird als oberste Befehlshaber bedingungslos gefolgt, sie werden glorifiziert. Während sich Hitler allerdings auf die Rassentheorie bezog, beziehen sich die dschihadistischen Salafisten um al-Baghdadi auf ihre Auslegung (Exegese) des Korans.

2. Totalitäres Denken
Sowohl IS-Islamismus als auch Neonazismus streben totalitäre Diktaturen jenseits liberaler Demokratie an. Sie wollen sich Menschen schaffen, die genau ihrer Ideologie folgen. Über allem, auch dem Privatleben, steht eine staatliche Gemeinschaft, die die Mitglieder nach der Ideologie mitformen und gemeinsam entwickeln sollen.

3. Gegen das Judentum
Die Neonazis, mit denen der mutmaßliche Attentäter von Charlottesville demonstrierte, brüllten noch vergangene Woche antisemitische Sprechchöre wie „Juden werden uns nicht ersetzen“. Ähnlich lautender Judenhass, der wie bei Neonazis in Verbindung mit einem vermeintlich die Welt kontrollierten Judentum geäußert wurde, findet sich seit Gründung auch beim IS.

Hinzu kommen Anschläge auf jüdische Einrichtungen und Menschen jüdischen Glaubens. Unter anderem die vom IS reklamierten Anschläge auf das jüdische Museum in Brüssel in 2014, den Hyper Cacher-Supermarkt in Paris im Januar 2015 und gegen eine Synagoge in Kopenhagen im Februar 2015. Neonazis schänden Friedhöfe, greifen Synagogen an und der Düsseldorfer Neonazi Ralf S. soll im Jahr 2000 an der Düsseldorfer S-Bahn-Station Wehrhahn mit einer Bombe zehn überwiegend jüdische Menschen teils lebensgefährlich verletzt haben.

4. Die Unterdrückung  der Frau und LGBT*IQ
Sowohl der selbsternannte IS als auch der Neonazismus sind patriarchal ausgerichtet. Der Mann herrscht über die Frau. Während Neonazis die Frau vor allem für die Reproduktion und die Sorgearbeit unterdrücken – also möglichst viele Kinder für das Volk gebären und Zuhause den Haushalt führen – kommen beim selbsternannten IS noch der Kopftuchzwang, Zwangsheiraten und von Frauen durchgeführte Selbstmordattentate im sogenannten heiligen Krieg hinzu. Beide versuchen diese Unterdrückung damit zu verkaufen, dass Frauen sich „nützlich machen“ und dem großen Ganzen dienen würden.

Sowohl IS-Islamisten als auch Neonazis dulden keine andere Form der Sexualität als Heterosexualität. Die Verfolgung bis Ermordung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter sowie queeren Menschen gehört zu beiden menschenfeindlichen Ideologien.