Animal-Pay-Gap liegt bei 100 Prozent

Ein Kommentar von Sarah Dannehl

Ein kurioser Rechtsstreit geht zu Ende. Die Tierschutzorganisation PETA und der britische Fotograf David J. Slater einigten sich außergerichtlich über das Affen-Selfie. Die Geschichte: Slater reiste 2011 durch Indonesien, als sich der Makake Naruto auf der Insel Sulawesi seine Kamera schnappte und schnell noch ein cooles Selfie schoss. Das Bild ging um die Welt, Slater ging leer aus. PETA forderte das Urheberrecht für Naruto. Zu Recht? In Zukunft gehen 25 Prozent der Einnahmen aus dem Selfie an wohltätige Einrichtungen, die sich für den Artenschutz der Makaken einsetzen – die übrigen 75 Prozent darf der Fotograf behalten.

Zu lange schon liegt der Animal-Pay-Gap bei 100 Prozent. Einzig Jan Böhmermann kämpfte zuvor für die Rechte der Affen und trug fünf Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo für den Song „Menschen, Leben, Tanzen, Welt“ bei der GEMA ein. Naruto und viele andere Tiere bleiben jedoch trotz künstlerischem Einsatz unbezahlt. Dabei sollte klar sein, dass Naruto aus Hunger und Leid handelte – sich einen Jahresvorrat Bananen verdienen wollte. Stattdessen muss er den geringen Verdienst nun mit seinen Artgenoss*innen teilen und sich von Menschen vorschreiben lassen, wie die Auszahlung auszusehen hat.

Makaken: Nicht nur vom Aussterben bedroht, auch auf dem Arbeitsmarkt sieht es nicht gut für sie aus. (Foto: Willard/flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0)

Die ohnehin wenigen Tiere, die sich in der Fotografie-Branche betätigen, werden weiter benachteiligt. Für einen Affen scheint kein Platz in einer humanen Gesellschaft, zumindest nicht mit denselben Rechtsansprüchen wie von denen von Menschen. Wäre eine Tier-Quote die Lösung?

Warum meint PETA überhaupt zu wissen, dass das Urheberrecht im Interesse Narutos liegt und eine Anklage in seinem Namen stellen zu müssen? Woher weiß PETA, was der Affe sagen wollte? Laut der Organisation handelte Naruto mit Absicht. Aber dafür müsste er wissen, was eine Kamera ist und wie sie funktioniert. Vielleicht wollte der Makake auch einfach nur Slater imitieren – war neugierig was das Wesen ihm gegenüber die ganze Zeit macht.Ist das schon cultural appropriation, also die Aneignung einer fremden Kultur?

Aber seien wir mal ehrlich: Wenn PETA wirklich im Interesse des Affen gehandelt hätte, hätten sie ihm einen Instagram-Account eingerichtet, damit er seinem Drang zur Selbstdarstellung auf einer passenden Bühne nachgehen und sich seinen Traum vom Influencer-Leben erfüllen könnte.