DOC: Eine emotionale Entscheidung

Das geplante Designer Outlet Center spaltet Duisburg. Am 24. September wird darüber abgestimmt, ob auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ein Shopping-Tempel entstehen soll. (Foto: fro)

Die Diskussion über das geplante Designer Outlet Center (DOC) auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs polarisiert. Ein breites Bündnis aus Zivilgesellschaft und Politik stellt sich gegen den geplanten Bau des Shopping-Tempels. Auf einer Podiumsdiskussion in der Liebfrauenkriche debattierten vier Oberbürgermeisterkandidaten am vergangenen Dienstag, 12. September, über das umstrittene Thema.

Mal wieder streitet die Stadt Duisburg über den Bau eines Outlet Centers. In Hamborn wurden bereits ähnliche Pläne auf Eis gelegt, nachdem festgestellt worden war, dass sich das Gelände zu nah an einem Chemiewerk befindet und dennoch hunderte Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben wurden. Jetzt gibt es einen erneuten Anlauf, ein Outlet-Center in der Stadt zu etablieren – und zwar gleich Deutschlands größtes. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofsnähe des Hauptbahnhofes soll es entstehen. Eine Mehrheit aus SPD und CDU stimmte auf einer Ratssitzung im Februar für die Realisierung des DOC. Zu den Befürworter*innen zählt auch der derzeit amtierende Oberbürgermeister Sören Link (SPD), der auf der Podiumsdiskussion betont: Das DOC sei eine Chance für Duisburg, es werde Arbeitsplätze schaffen und das Image der Stadt aufpolieren.

Doch damit steht Link ziemlich allein da. Optimismus ist bei den anderen anwesenden Kandidaten – Gerhard Meyer (Kandidat für CDU, Grüne, Junges Duisburg, Wählergruppe Bürgerlich-Liberale), Thomas Wolters (Kandidat für die FDP) und Erkan Kocalar (Kandidat für die Linke) – nicht zu spüren. Die Menschen würden den Besuch der Innenstadt zugunsten des DOC meiden, meint Kocalar. Sein liberaler Kontrahent weist dar- auf hin, dass Menschen distanzvermeidende Individuen seien und die zirka 1,5 Kilometer vom DOC bis zum Einkaufscenter Forum nicht zusätzlich laufen würden – zumal sie ihr Geld bereits im Outlet ausgegeben hätten. Link plädiert dafür, dass man eine Lösung für die Verbindung der Innenstadt mit dem DOC finden müsse. Shuttle-Busse seien eine sinnvolle Idee.

„Es ist eine Kaffeesatzleserei!“

Obwohl das DOC frühestens in zehn Jahren fertig sein könnte, spüre man die Folgen für die Innenstadt bereits: „Die Einzelhändler sind jetzt schon in einer Schockstarre“, so Wolters. Aus Sorge vor dem DOC schlössen viel weniger Geschäftsleute Mietverträge ab oder verlängerten sie nicht. Auch die Befürchtung, dass der Shopping-Tempel Arbeitsplätze kosten könnte, treibe die Bürger*innen um. Während Link eine Chance wittert und den Zahlen von bis zu 1.500 neu entstehenden Arbeitsplätzen Glauben schenkt, sieht das vor allem Kocalar kritisch. Es bleibe nicht nur zu befürchten, dass Läden in der Innenstadt wegen eines Kaufrückgangs Arbeitnehmende entlassen müssten. Auch sei zu erwarten, dass das DOC lediglich Minijobs bringe. „Keiner weiß, wie viele Arbeitsplätze entstehen oder wegfallen. Es ist eine Kaffeesatzleserei“, beurteilt Meyer dagegen die Gesamtsituation. Die Faktenlage sei dünn – es handele sich mehr um eine emotionale Entscheidung.

Dass kein konkreter Plan des Grundstückseigentümers Kurt Krieger vorliegt, ist für eine Besucherin der Podiumsdiskussion nicht zu begreifen. „Mich erschreckt es, dass der Rat der Stadt etwas beschlossen hat, wovon er nicht genau weiß, was es wird“, wirft sie Link vor. Der Grundsatzbeschluss war darauf ausgelegt, die Realisierung des Bauvorhabens zu genehmigen – nicht eine Prüfung der Machbarkeit unter Berücksichtigung der Folgen für die Innenstadt in Auftrag zu geben. Mit dem Bürgerentscheid am 24. September haben Duisburger Wahlberechtigte nun die Chance, das Projekt zu unterbinden. Stimmt die Mehrheit gegen den Bau des DOCs, so muss der Rat der Stadt dem Willen der Bürger*innen folgen.

Ist das DOC alternativlos?

Doch auch wenn die Duisburger*innen gegen den Bau des DOC stimmen würden, bleibt das Gelände im Besitz von Krieger. Die Stadt kann dort nicht einfach etwas anderes errichten. „Erzwingen können wir da nichts“, meint Link. Von einer Alternativlosigkeit will Wolters aber nicht sprechen. Er will auf Kommunikation mit Krieger setzen und eine andere Nutzung des Geländes vorschlagen. „Er wird sicher nicht die Fläche 100 Jahre dort verrotten lassen“, kommentiert er. Und falls doch, würde auf der Fläche ein neuer Duisburger Wald entstehen, scherzt er.

Anstelle eines Outlet-Centers sollte man auf der Brachfläche etwas anderes errichten, findet der FDP-Kandidat. Wolters würde sich dafür einsetzen, auf dem Gelände einen Aqua-Park entstehen zu lassen. Ähnlich wie das Tropical Island in Brandenburg könne dort ein tropischer Freizeitpark mit diversen Schwimmmöglichkeiten entstehen – das würde nicht mit der lokalen Wirtschaft in der Innenstadt konkurrieren, so Wolters. Im Gegenteil sei mit zusätzlichen Innenstadtbesuchenden zu rechnen. Als parteiloser Kandidat von CDU und Grüne sitzt Meyer quasi zwischen den Stühlen: Während die CDU den Grundsatzbeschluss mitgetragen hat, engagieren sich die Grünen gegen das DOC. Er selbst vertrete aber seine persönliche Meinung. Insgesamt sieht er sich in einer komfortablen Situation. „Ich bin bisher in keinster Weise politisch im Prozess eingebunden“, so Meyer. Er möchte die Fläche für Wohn- und Büronutzung bereitstellen und die alte Bahnhofshalle solle nach barcelonischem Vorbild in eine Markthalle umfunktioniert werden. Komplett verschließt sich der parteilose Kandidat aber nicht gegen die Realisierung eines Outlets. Statt am Rande der Innenstadt solle es im Bereich der Altstadt etabliert werden. Seitdem das Forum eröffnet hat, herrsche auf der Münzstraße Leerstand. Dabei handele es sich um einen guten Kompromiss dort das DOC ins Stadtbild zu integrieren.