Schwarz-Gelb will zurück zu Anwesenheitspflicht

Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) möchte die Anwesenheitspflicht an Universitäten wieder einführen. Die Pläne der neuen NRW-Landesregierung könnten den Alltag von Studierenden erheblich beeinträchtigen, beklagen dagegen Studierendenvertreter*innen.

Die Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht könnte die Freiheit der Studierenden maßgeblich beeinträchtigen, meint AStA-Vorsitz Marcus Lamprecht. (Foto: fro)

„Das starre Verbot von Anwesenheitspflichten im klassischen Seminar” soll abgeschafft werden, betonte Pfeiffer-Poensgen am MIttwoch in einer Rede. Derzeit gilt sie nur noch in Sprachkursen, praktischen Übungen und Praktika – so wollte es das von der ehemaligen rot-grünen Landesregierung eingeführte Hochschulzukunftsgesetz. Dieses will die neue schwarz-gelbe Koalition jetzt rückgängig machen. Die Universitäten sollen nach Vorstellungen der Wissenschaftsministerin wieder Nachweise über die Anwesenheit verlangen können, etwa in Form von Unterschriftenlisten. Die Entscheidung darüber soll aber bei den Hochschulen liegen. Wann konkret eine Novellierung des Hochschulgesetzes – die nach dem Wechsel der Landesregierung zum Standardprogramm in der Politik gehört – erfolgen wird, ist derzeit noch nicht genau abzusehen.

Ob die Universität Duisburg-Essen den Plänen der Landesregierung folgen wird, steht noch nicht fest. „Eine Diskussion dieser ganz aktuellen Meldung hat in den einschlägigen Gremien wie der Kommission für Lehre, Studium und Weiterbildung noch nicht stattfinden können,“ sagt Isabell van Ackeren, Prorektorin für Studium und Lehre. Bereits in der Senatssitzung vom 1. September wurde sie auf die Pläne der Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht angesprochen, verneinte allerdings das Vorhaben und bezog sich auf das geltende Hochschulgesetz. Dass eine Rückkehr zur Anwesenheitspflicht an der UDE ausgeschlossen ist, heißt das aber noch nicht.

Fest steht jedoch auch, dass sich einzelne Professor*innen und Dozierende an der UDE nach der Abschaffung der Anwesenheitspflicht im Wintersemester 2014/15 immer wieder dagegen gewehrt hatten und doch noch Teilnahmelisten herumgaben. Der AStA hatte daraufhin einen sogenannten Anwesenheitspflichtsmelder eingeführt, über den sich Studierende über Lehrende beschweren konnten, die gegen das Gesetz verstoßen und sich nicht an den Wegfall der Teilnahmepflicht gehalten hatten.

„Einschränkung in der Freiheit des Studiums“

Für die Betroffenen  hätte die Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht weitreichende Folgen, betont AStA-Vorsitzender Marcus Lamprecht (Grüne Hochschulgruppe): „Für Studierende bedeutet Anwesenheitspflicht eine Einschränkung in der Freiheit des Studiums. Ihnen wird die Selbstbestimmung genommen und sie führt in vielen Fällen zu erheblichen Beeinträchtigungen.“ Studierende hätten neben der Universität noch andere Belastungen – einige müssten Betreuungsaufgaben wahrnehmen und viele müssten arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren. Mit einer Anwesenheitspflicht sei das nur schwer möglich.

Dass die Präsenz in einer Lehrveranstaltung durchaus sinnvoll sein kann, findet auch Lamprecht. Aber: „Dies geschieht nicht durch eine Anwesenheitspflicht, die Studierenden zu einer Last wird und dazu führt, dass die Uni eine reine Pflichtübung statt der Möglichkeit zur eigenen Entfaltung im selbstbestimmten Studium wird“, so der AStA-Vorsitzende. Er verweist zudem, dass es keine Erkenntnisse gibt, dass Seminarinhalte durch eine Präsenzpflicht besser erlernt würden. Prorektorin van Ackeren verweist darauf, dass sowohl Dozierende als auch Studierende vermehrt Rückmeldung gaben, dass die unmittelbare Interaktion im Seminar für einen Lernprozess zum Teil notwendig sei. An der UDE arbeite man daran, Präsenz- und Onlinephasen fürs Studium weiter zu verzahnen. So soll der Austausch zwischen Studierenden und Dozent*innen auch virtuell stetig ausgebaut werden. „Dennoch wollen wir weiterhin eine Präsenzuniversität bleiben und setzen auf den akademischen Diskurs vor Ort, der von Lehrenden wie Lernenden gleichermaßen gestaltet wird“, so van Ackeren.

„Rückabwicklung aller Verbesserungen“

Lamprecht kritisiert dagegen die schwarz-gelbe Landesregierung scharf: „Das, was bisher im Wissenschaftsbereich von CDU und FDP zu erkennen ist, wirkt konzeptlos und ist eine Rückabwicklung aller Verbesserungen, die in den vergangenen Jahren erreicht wurden.” Studierende würden durch die Politik der Landesregierung gestraft. Besonders internationale Studierende litten unter dem neuen Vorhaben der Landesregierung. „Sie müssten nun eigentlich arbeiten, um sich die Studiengebühren leisten zu können, sollen aber gleichzeitig erzwungenermaßen anwesend sein“, so Lamprecht weiter. Schließlich planen CDU und FDP nach dem baden-württembergischen Vorbild auch hier Studiengebühren in Höhe von 1.500 Euro pro Semester für EU-Ausländer*innen einzuführen.