SGS ohne Chance gegen Titelanwärter

Keine leichte Aufgabe: Zum Saisonstart kam der FC-Bayern ins Stadion Essen an der Hafenstraße. (Foto: dav)

Für den ersten Spieltag der Allianz-Frauen-Bundesliga hätte sich die SGS Essen sicherlich einen einfacheren Gegner gewünscht, als Meisterkandidat FC Bayern München. Die kleine Hoffnung, dem Favoriten am Samstagmittag, 3. September, doch vielleicht Punkte zu klauen, erfüllte sich nicht. Zu dominant waren die Spielerinnen vom FC Bayern. So stand am Ende ein 0:3 auf der Anzeigetafel. Zum Zuschauen verdammt waren die verletzten Spielerinnen Kirsten Nesse und Nina Brüggemann, die neben dem Profigeschäft im Ruhrgebiet studieren.

Die Rollen des Spiels waren im Vorfeld klar verteilt. Auf der einen Seite der Vizemeister der vergangenen Saison, Bayern München, der sich lediglich dem Liga-Primus VFL Wolfsburg geschlagen geben musste und sich mit dem Transfer der gebürtigen Essenerin Mandy Islacker noch einmal verstärkt hat. Auf der anderen Seite der fast schon familiäre Club der SGS Essen, dessen Etat etwa ein Drittel des Bayern-Etats entspricht.

Zu Beginn erlebten die 2.132 Fans ein recht ausgeglichenes Spiel. Bayern, die mit einem 5-3-2 System mit aufrückenden Außenverteidigerinnen spielten, begann zwar mit mehr Druck und mehr Ballbesitz, Essen arbeitete jedoch defensiv äußerst konzentriert und ließ keine gefährlichen Torchancen zu, sodass sich die Bayern-Spielerinnen am gut organisierten 4-4-2 System die Zähne ausbissen. Insbesondere das Mittelfeld um die Essener Kapitänin Ina Lehmann zeigte dabei ein starkes Zweikampfverhalten. So dauerte es auch 20 Minuten, bis die Gäste aus München zu ihrer ersten Torchance kamen. Islacker traf das Außennetz. Danach kamen die Essenerinnen besser ins Spiel und begannen, mutiger nach vorne zu spielen. In dieser Phase entwickelte vor allem Sarah Freutel Druck über die rechte Spielseite.

In der 36. Minute fand Bayern-Spielerin Islacker doch eine Lücke in der Essener Abwehrreihe. Nach einem langen Pass eilte die Essener Torhüterin Lisa Weiß einen Moment zu spät aus ihrem Tor, Islacker konnte den Ball an der Strafraumgrenze an ihr vorbeispitzeln und traf zum 0:1. Essen verfiel jedoch keinesfalls in eine Schockstarre, sondern agierte bis zur Halbzeit weiter konzentriert. Mit 0:1 ging es in die Kabine.

Bayern eiskalt vor dem Tor

Unter den Augen von Bundestrainerin Steffi Jones zeigten die Essenerinnen in der zweiten Halbzeit dann auch selbst mehr Lust aufs Spiel nach vorne. Ein abgefälschter Freistoß in der 54. Minute von Linda Dallmann prüfte die Bayern-Torhüterin Tinja-Riikka Korpela zum ersten Mal ernsthaft. Doch sieben Minuten später waren es die Bayern-Spielerinnen, die Grund zum Jubeln hatten: Lucie Vonkova erhöhte mit einem flachen Schuss ins linke Eck zum 0:2.
Aber die Essenerinnen gaben noch nicht auf. Durch Standards und Flanken kam Essen nun näher in Richtung von Bayern-Torhüterin Korpela. In der 67. und 71. Spielminute hatte die für Turid Knaak eingewechselte Lea Schüller noch zwei Kopfballchancen, die jedoch keine allzu große Prüfung für Korpela darstellten. In der 73. Spielminute klingelte es schließlich ein drittes Mal im Essener Kasten. Nach einem Zweikampf im Strafraum zwischen der für Melanie Leupolz eingewechselten Dominika Skorvankova und Lena Ostermeier von der SGS entschied Schiedsrichterin Marina Wozniak auf Strafstoß. Simone Laudehr verwandelte sicher für München. Den Schlusspunkt des Spiels setzte ein Freistoß an der Strafraumkante von Linda Dallmann in der 88. Minute, der jedoch links am Tor vorbeiging.

Nach dem Spiel attestierte auch Thomas Wörle, Trainer des FC Bayern, den Essenerinnen ein Spiel auf Augenhöhe zu Beginn des Spiels: „Die erste Halbzeit war sehr umkämpft. Ich fand, gerade die ersten 20 bis 30 Minuten war Essen absolut ebenbürtig.“ Auch SGS-Trainer Daniel Kraus ist mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. „Alles in allem, ist es kein Beinbruch, gegen Bayern München zu verlieren. Die kämpferische Leistung meiner Spielerinnen hat mir gut gefallen. Es ist nicht der Normalzustand, dass wir gegen Bayern München Punkte holen. Wenn wir das schaffen, ist das super, aber unsere Gegner sind andere“, erklärte Kraus auf der Pressekonferenz.

UDE und RUB bei der SGS

Unter den über 2.100 Zuschauer*innen auf der Tribüne saßen an diesem Spieltag auch Nina Brüggemann und Kirsten Nesse. Beide spielen für die SGS Essen, mussten allerdings verletzungsbedingt aussetzen. Und: beide sind Studentinnen im Ruhrgebiet. Nina Brüggemann studiert Sport und Biologie auf Lehramt an der Universität Duisburg-Essen. Sie geht nun mit der SGS in ihre dritte Saison und hat zuvor in Kloppenburg gespielt. Fußball und Uni unter einen Hut zu bekommen, ist dabei gar nicht immer so einfach. „Das ist natürlich schon anstrengend mit dem Fußball neben der Uni. Der Tagesplan ist dann manchmal morgens zur Uni, dann zum Krafttraining, wieder zur Uni, kurz was essen und dann wieder zum Mannschaftstraining. Also mitunter viel Pendeln am Tag“, erzählt die 24-Jährige. Vor allem Kurse in den Nachmittags- oder Abendstunden seien schwierig wahrzunehmen, „dadurch verzögert sich das Studium natürlich etwas“. Für die gebürtige Norddeutsche ist der Ruhrpott inzwischen zu einem zweiten Zuhause geworden: „Ich fühle mich definitiv wohl hier in Essen. Ich habe immer gesagt, dass ich den Ruhrpott cool finde, weil die Menschen total offen und direkt sind. Das hat sich auch definitiv bestätigt in der Zeit, in der ich jetzt in Essen bin.“

Auch Kirsten Nesse, die seit 2015 in Essen spielt, fühlt sich wohl bei der SGS. „Unser Verein ist halt wie eine einzige große Familie. Mit seinen Sorgen kann man hier zu jedem gehen, man findet immer eine Lösung. Das macht auch für mich diesen Verein aus, diese Arbeitermentalität, dass alle zusammenhalten und jeder für jeden alles gibt. Man kann sich gar nicht nicht wohlfühlen hier“, erzählt sie. Neben dem Fußball studiert sie Sportwissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum. „Noch als Ein-Fach Bachelor, ich will aber eventuell auf Lehramt umsatteln“, so Nesse. Momentan setzt die 21-Jährige ihren Fokus dabei eher auf den Sport als auf die Uni. „Es ist für mich so, dass Fußball momentan die übergeordnete Rolle in meinem Leben spielt, weil die Zeit, die ich Fußball spielen kann, natürlich begrenzt ist“, erklärt Nesse. Auch für sie ist der Spagat zwischen Unialltag und Fußball nicht immer leicht: „Wenn wir zum Beispiel am Samstag ein Auswärtsspiel haben, fahren wir manchmal schon am Freitag hin. Und wenn dann auf Freitagnachmittag eine Klausur gelegt wird, ist das natürlich schon echt blöd. Das kommt aber zum Glück selten vor.“ Wenn beide ihre Verletzungen auskuriert haben, wollen sie die Mannschaft auch wieder auf dem Feld unterstützen.
Das nächste Heimspiel der SGS Essen findet am 24. September um 14 Uhr im Stadion an der Hafenstraße statt. Ermäßigte Studierendentickets gibt es für 7 Euro.