Viel Lärm um Nichts

Viel Schatten beim TV-Duell: Vor allem Bundeskanzlerin Merkel konnte durch das Themen-Setting glänzen. (Foto: mac)

Ein Kommentar von Maren Wenzel

Am 24. September ist die deutsche Bevölkerung – zumindest diejenigen, die ein Kreuz machen dürfen – aufgerufen, für die nächsten vier Jahre ihre Vertreter*innen zu wählen. In einer repräsentativen Demokratie geht es um viel: Arbeit, Gesundheit, Bildung, Rente, Wohnen, Umwelt, Digitalisierung, Antidiskriminierung, Gleichstellung, Steuern, Infrastruktur, Migration, Außenpolitik, Sicherheit. Aber die Wahl wird derzeit wieder fast nur über die Themen Flucht, Migration und Außenpolitik entschieden. Danach sah es zumindest auch wieder beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz aus.

Sonntagabend, 21.15 Uhr in Deutschland. 20 Millionen Menschen sollen das TV-Duell zwischen den beiden KandidatInnen auf den Kanzler*innenposten verfolgen. 60 Minuten lang wurde schon debattiert. Als erstes geht es – natürlich – wieder mal um das Thema Asylpolitik. Fast 40 Minuten darf Moderator Claus Strunz, der zwischendurch sogar ein Zitat von Schulz aus dem Zusammenhang riss, gegen geflüchtete Menschen rumpoltern, wann zum Beispiel die 230.000 Ausreisepflichtigen „weg seien”. Ohne auf Einzelfälle einzugehen. Natürlich muss über Asyl und Migration gesprochen werden können. Es scheint aber so, als sei die AfD in den Fragen von Moderator Strunz als dritte Partei mit im Studio. „Hallo, Rechtsruck?!” möchte man rufen. Und tut es dann auch.

Bleiben noch 45 Minuten, um jetzt wirklich über innenpolitische Themen zu sprechen. Die Uhr tickt. Dann geht es aber erstmal um Außenpolitik und das Verhältnis zur Türkei und Nordkorea. Klar wählen die Stimmberechtigten die Außenpolitik mit – aber sollten wirklich 15 Minuten darauf verwendet werden, wenn die Positionen schon mehr als klar sind, weil sie medial ausgeschlachtet wurden? Merkel kommt das jedenfalls noch mehr als Schulz gelegen: Wer über Außenpolitik sprechen kann, muss nicht über Innen-, Bildungs-, Sozial oder Arbeitsmarktpolitik sprechen. Zu wenige Fragen, zu viele von rechts, schlechte Gewichtung der Themen. Die Moderation ließ fluchen und zu Wünschen übrig.

Die restlichen 45 Minuten geht es noch kurz um Rente, lang um das Dieselgate, hektisch um die Maut und schlaglichtartig um Steuerentlastungen, „Terrorabwehr” – natürlich nur gegen islamistischen Terrorismus. Das TV-Duell in der Kurzkritik: Da wartet man 90 Minuten lang auf Tore, sieht aber nur weite Pässe und ein paar Schüsse knapp am Kasten vorbei. Zurück bleibt eine große Ratlosigkeit – vor allem darüber, warum man sich dieses Spiel überhaupt angesehen hat.

Das „große” Streitgespräch bleibt noch hinter den Erwartungen zurück. Denn schon vor der Partie war ja klar: Da treffen gleich nur zwei PolitikerInnen aufeinander, wo doch 42 Parteien zur Wahl stehen. Und gerade ihre Parteien saßen zuvor vier Jahre lang gemeinsam auf der Regierungsbank. Kein Wunder, dass sich am Ende selbst die Macher*innen dieses Formats noch unkritisch eine Verlängerung wünschen. Es wurde ja auch über kaum etwas gesprochen. Dabei geht es um so viel mehr.