AStA-Kulturticket: Woher sollte die Kohle kommen?

Alleine im Aalto Theater in Essen: Sollte Kultur nicht für alle erschwinglich sein? (Foto: Marc Veraart/flickr.com/CC BY-ND 2.0)

Eine Glosse von Maren Wenzel

Eine Win-Win-Situation für alle, oder? Seit diesem Semester können Studierende der UDE mit dem Kulturticket des AStA für nur einen Euro in die Theater und Philharmonie in Essen (TuP). Klasse Angebot, denkt man sich. Was aber nicht in den Pressemitteilungen steht: Für die billigen Tickets zahlt der AStA bei aktueller Studierendenzahl etwa 66.000 Euro pro Jahr an die TuP (einen Euro pro Studierenden im Wintersemester und 0,70 Euro im Sommersemester). Eine städtische Tochtergesellschaft, bei der immer wieder der Rotstift angesetzt werden musste. Moment, wer greift hier eigentlich wem unter die Arme?

Erstmal Pfeffer ans Mett: Das Ruhrgebiet ist an allen Ecken und Enden pleite. Es ist kaum noch Kohle da und wenn, dann taucht sie heute oft in den Finanzplänen der Kämmer*innen hinter einem Minus auf. Essen ist da ganz vorne – oder eben unten – mit dabei. 3,6 Milliarden Euro Schulden hat die Stadt derzeit, auch wenn die Schuldenuhr im Internet runter läuft, aber die Tendenz geht trotzdem den Schacht hinab. Grund ist der größte Kumpel der Stadt, der Energieriese RWE, auf den die Stadt zu lange setzte.

18 Millionen Aktien hält die Kommune und konnte über Jahre nicht die gewünschte Dividende kassieren, weil der Konzern Verluste macht. Noch dazu befindet sich der Wert der Aktie im freien Fall. Je länger Essen mit einem Verkauf wartet, desto höher die Verluste, wenn RWE weiter der Energiewende hinterher hängt, so Expert*innen. Die Folgen werden Kürzungen sein. Und wo spart man als erstes? Im Bereich  Kultur und Soziales – versteht sich von selbst, oder? Aber egal, wer braucht schon sowas wie Schwimmbäder oder Geigenklänge zur Erholung im neuerdings so grünen Ruhrpott!

Nur gut, dass es uns Studierende gibt. Wir federn die rote Finanzpolitik der Stadt bei der Tochtergesellschaft TuP zumindest für uns ab. Solidarische Finanzierung gegen die Kürzungen sozusagen. Klar, es ist ein Gewinn für uns Studierende, dass wir uns jetzt Oper, Ballett, Konzerte und Theater für einen Euro gönnen können und schaden tun wir damit auch niemandem. Die alleinerziehende Mutter aus Frintrop muss sich aber immer noch nach Bildung und Sport für ihre Kinder umsehen. Zumindest während die Stadt sich immer noch nicht entschließen kann, da den Stift anzusetzen, wo er wirklich nötig wäre – bei den RWE-Aktien. Und solange auch wir Studierenden uns nicht kritisch dafür einsetzen, dass Kulturangebote auch auf Landesebene ausfinanziert werden, damit alle hier Lebenden beispielsweise den Klängen in einer Philharmonie lauschen können.