Braun sind die Umzüge in Moers

Die Reichskriegsflagge von 1933 bis 1935 ziert heute oft Demos von Neonazis. (Foto: dpe)

26,1 km von Duisburg entfernt liegt Kamp-Lintfort. Seit Monaten hat die 37.683 einwohnerstarke Stadt und ganz besonders der Stadtteil Hoerstgen ein waschechtes Neonazi-Problem. Eine Kameradschaft mit dem Namen „Volksgemeinschaft Niederrhein“ ist dort aktiv und wird von einer durchaus wirksamen Figur der neonazistischen Szene unterstützt: Kevin Giuliani. Der aus Moers stammende Neonazi gibt sich bürgerlich und führt ein Umzugsunternehmen.

Giuliani war über Jahre Teil der Duisburger und Moerser Neonaziszene, konnte aber nur selten ins bürgerliche Millieu hinein wirken. Er versuchte offiziell sich davon los zu sagen, wollte angeblich 2003 mit Hilfe des Programms Exit aussteigen, wohnte zwischenzeitlich in Hamburg, bis er 2009 zurück nach Moers kam und seine politischen Aktivitäten wieder aufnahm. Aus 2011 datieren die letzten Aktivitäten, die das antifaschistische Recherche-Magazin Lotta online aufführt. Seit dem 1. Februar 2014 betreibt Giuliani gemeinsam mit seiner Frau Lisa Giuliani das Umzugsunternehmen Möbel & Co. Giuliani. Auf der Homepage heißt es jedoch nur Umzüge Möbel & Co Moers. Die Giulianis scheinen damit durchaus erfolgreich zu sein, erschienen 2016 als unpolitisches Mittelschichts-Paar bei der Doku-Soap Trödeltrupp vom Privatsender RTL 2, dass sie beim Ankauf von Möbeln und einer Einbauküche zeigte.

Ein eindeutiges Kennzeichen

Aus ihrer Gesinnung machen die Giulianis aber weniger einen Hehl als man es für ein vermeintlich seriöses Umzugsunternehmen annehmen könnte. Lisa Giuliani, hauptverantwortlich für das Unternehmen, ist als Geschäftsführerin im Impressum aufgeführt und scheint auf den ersten Blick mit politischen Botschaften nichts zu tun zu haben. Der zweite Blick offenbart schnell, wohin es geht. „Defend Berlin“ postete sie einen Tag nach dem islamistischen Terroranschlag auf dem Breitscheidtplatz in Berlin – mit dem Logo der extrem rechten Identitären Bewegung.

Außerdem haben beide sowohl geschäftliche als auch private Facebook-Profile. Auf beiden veröffentlichte Kevin Giuliani ihren neuen Umzugswagen, den sich die beiden neonazistischen Unternehmer*innen im Juli zulegten. Auf seinem privaten Profil allerdings wurde sein Kamerad Gerd K. auf eine Besonderheit aufmerksam. Das Kennzeichen des Wagens beinhaltete „HH 1488“, was in der rechten Szene Codes für „Heil Hitler“ (HH) und „Auf Deutschland, Heil Hitler“ (1488) sind. „Nettes Kennzeichen, wusste nicht, dass deine Kinder Heidi und Helmut am 1.4.88 geboren sind“, kommentierte K. mit einigen vor Tränen lachenden Emojis. Dass die Giulianis dem Neonazismus anhängen, lässt sich auch daran erkennen, dass insbesondere Kevin Giuliani sich in der Freizeit in rechter Szene-Kleidung zeigt. Auf seinem privaten Profil posiert er mit einem T-Shirt der Gelsenkirchener Rechtsrock-Band Sturmwehr.

Giulianis und die Volksgemeinschaft

„Neonazi-Umtriebe machen den Bewohnern von Hoerstgen Angst“ titelte die NRZ Mitte Mai dieses Jahres. Der Grund: Auf der Dorfstraße in Hoerstgen tauchten diverse Aufkleber auf. „I love HTLR“ stand auf einem. Am 20. April, Adolf Hitlers Geburtstag, wurde in der Dorfstraße offenbar eine Party zu Ehren des NS-Führers gefeiert. „Im Mittelpunkt der Aufregung steht ein Anwohner der Dorfstraße, der vor Jahren in Moers als Neonazi bekannt war und wegen entsprechender Delikte vorbestraft ist“, heißt es im Bericht der NRZ. Dass es sich dabei um Giuliani handelt, ist wahrscheinlich, googlet man seinen Namen in Verbindung mit der Jahreszahl 2017 steht der Bericht weit oben.

Das ist kein Zufall, wenn man auf das Titelbild Kevin Giulianis blickt. Dort prangt in Druckbuchstaben auf einem T-Shirt: „Volksgemeinschaft Niederrhein“. Mit dem selben T-Shirt zeigte sich Giuliani im August dieses Jahres auf einer der größten bundesweiten Neonazi-Aufmärsche. In Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß marschierten in Berlin-Spandau rund 1.000 Neonazis auf. Seit Jahren treibt sie die Verschwörung um, dass Heß nicht Suizid begangen habe, sondern von der Bundesrepublik ermordet worden sei. Giuliani quittierte die Verschwörung auch auf seinem privaten Profil: „Rudolf Hess – Das war Mord. !!!“, schrieb er am 18. August, einen Tag vor dem Aufmarsch.