Die Zukunft des europäischen Maschinenbaus

Die EMESCC findet 2017 zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in Duisburg statt. (Foto: dav)

Internationale Atmosphäre schwebt durch die Räumlichkeiten des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) in Duisburg. Zum ersten Mal kam der European Mechanical Engineering Student Council Congress (EMESCC) nach Duisburg. Der Mix aus Workshops, Ausflügen und sozialen Aktivitäten wurde von den etwa 80 Studierenden aus Teilen Europas gut angenommen. Beinah alles lief glatt – bis das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Tag vor dem Auftakt auf Nachfrage die Förderung absagte. Der Brief der Absage wurde vergessen abzusenden.

Drei Jahre lang hatte der Fachschaftsrat Maschinenbau versucht, den EMESCC nach Duisburg zu holen. Auf der Tagung im vergangenen Jahr in Kopenhagen hat es endlich geklappt. Beim Abschlussplenum setzte sich die Fachschaft gegen London als Ausrichtungsort durch. Ab diesem Zeitpunkt begann für das Organisationsteam die finale Planung. „Dann haben wir auch schnell gemerkt, was geht und was nicht geht“, erzählt Sven Unterberg, der zum Planungsteam gehört. „Parallel zur EMESCC finden zum Beispiel Messen statt, weswegen alle Hostels ausgebucht sind. Und in der Uni schlafen ist leider auch verboten, deswegen mussten wir auf Zelte zurückgreifen“, ergänzt er.

Das mit den Zelten gestaltete sich dann aber schwieriger als gedacht. Ein großes Festzelt wurde zur Unterbringung angemietet und am Campus aufgestellt. Im letzten Moment machte die Stadt bei der Abnahme den Schlafplänen einen Strich durch die Rechnung. Die Teilnehmenden haben sie dann in kleineren Zelten untergebracht, die von Pfadfinderstämmen und Feuerwehr bereitgestellt wurden. „Es ist echt cool, dass wir so nah bei der Konferenz schlafen können, aber es ist auch etwas kalt“ *, erzählt Milla Partanen aus Finnland, die an der Aalto Universität in Espoo studiert. Sie ist gemeinsam mit vier anderen Kommiliton*innen angereist – mit dem Auto. 32 Stunden Fahrtzeit und 1600 Kilometer Strecke liegen hinter ihnen. Neben Teilnehmer*innen aus Finnland und Deutschland sind Studierende aus Ungarn, Slowenien, Italien, Dänemark, Norwegen und Großbritannien nach Duisburg gekommen.

Von Mittwoch, 18., bis Sonntag, 22. Oktober, wurden für sie Workshops und Ausflüge organisiert. Milla kommt gerade aus einem Workshop, in dem es um Finanzierung ging. Gestern war sie bereits bei einem Vortrag zur Bologna Reformation und morgen will sie zu „How to EMESCC” – „weil wir überlegen, die EMESCC nach Finnland zu holen“ *. Tatsächlich soll später auf dem Abschlussplenum die Aalto Universität als nächster Tagungsort ausgewählt werden. In anderen Workshops geht es beispielsweise um Refugee Integration, Erasmus, Recruiting oder Public Relations.

„Die Workshops bieten lehrreiche Inhalte, sind aber trotzdem unterhaltsam. Mir gefällt die Balance zwischen beidem sehr gut“ *, findet Asad Asad vom University College London. Er ist gemeinsam mit Tariq Mussein und sechs weiteren Kommiliton*innen angereist. „Unsere größte Motivation, hierher zu kommen, war es, in Kontakt mit anderen Universitäten und Fachschaften im Maschinenbau zu kommen. Zu sehen, welche Ansichten sie haben und wie sie die Dinge anpacken“*, sagt Tariq. Beide nehmen zum ersten Mal teil. Besonders gefallen hat ihnen der Ausflug in den Movie Park Bottrop. „Wir haben zuerst über die Maschinen gesprochen und konnten anschließend eine Runde fahren“ *, lacht Asad. Nächstes Jahr möchten sie wieder dabei sein.

Dass trotz sorgfältiger Planung immer etwas schiefgehen kann, musste das Organisationsteam kurz vor Beginn der Tagung feststellen. Die Bewerbung auf Fördermittel vom BMBF, die sonst Tagungen dieser Art unterstützen, wurde einen Tag vor Beginn abgesagt – erst auf Nachfrage. „Der Haushaltstopf sei leer, dabei wurde er dieses Haushaltsjahr sogar um 1,7 Milliarden Euro erhöht. Ich gehe aber eher davon aus, dass in diesem Haushaltsjahr einfach gar keine Tagungen mehr vom BMBF gefördert werden“, meint Sven. Im Mai war er auf der Deutschen Maschinenbautagung in Aachen – sie haben noch eine Förderung erhalten, haben sie jedoch im alten Haushaltsjahr, das bis April ging, beantragt. Danach habe es nur Absagen gegeben.

Jetzt fehlt ein Betrag von etwa 6000 Euro. „Wir werden an AStA, Fachschaftenkonferenz und Fakultät herantreten und erneut nach Geldern fragen müssen. Für uns natürlich unangenehm, da wir von diesen Stellen schon finanzielle Unterstützung erhalten haben. Schon jetzt stecken auch wir einen bestimmten Betrag aus der Fachschaft in die Tagung, den müssen wir jetzt eben auch erhöhen. Das führt dann aber leider dazu, dass uns diese Gelder dann bei der MINT-Party fehlen“, erklärt Sven. Auch auf der Sitzung des Studierendenparlaments am 19. Oktober wurde auf die Problematik aufmerksam gemacht. Da dort jedoch auch die Gelder erschöpft sind, bleibt nun noch der AStA. „Wir bekommen es auf jeden Fall irgendwie getragen“, gibt sich Sven zuversichtlich. [dav]

* Zitate aus dem Englischen übersetzt