Ehrenamt: Zwischen Leidenschaft und Ausbeutung

Ehrenamt an der UDE: Zum Beispiel Erasmus-Studierende im Buddy-Programm des Tutoren Service Center begleiten. (Foto: caro)

Spaß, anderen Menschen helfen, neue Leute kennenlernen, den Lebenslauf aufpolieren oder die Chancen auf ein Stipendium erhöhen. Die Motive, sich ehrenamtlich zu engagieren, sind so unterschiedlich wie ihre Tätigkeitsfelder. Wir haben mit Studierenden über ihre Beweggründe, die Vereinbarkeit mit dem Studium und Kritik am Ehrenamt gesprochen.

„Um Geflüchteten durch Kinderbetreuung beziehungsweise Freizeitbeschäftigung das Leben etwas zu erleichtern oder die Leute auch mal abzulenken“, nahm Uta, Studentin der Medienwissenschaften, in der Vergangenheit an einem Ehrenamtsprojekt teil. Heute arbeitet sie nur noch eine Stunde pro Woche ehrenamtlich bei einem NGO-Magazin im Lektorat – weil es ihr Spaß und es sich auch im Lebenslauf macht. „Da ich durch meinen Nebenjob schon länger studiere als üblich, würde mir ein aufwendigeres Ehrenamt aktuell tatsächlich zu viel werden“, erklärt sie ihre Entscheidung.

Dabei ist sie nicht die einzige Studierende, die länger studiert als vorgesehen. 2014 schlossen nur 40 Prozent der Absolvent*innen ihr Studium in der vorgegebenen Regelstudienzeit ab. Immer wieder steht letztere deshalb in der Kritik. Aber auch Politikwissenschaft-Student Nils lässt sich dadurch nicht von ehrenamtlichen Tätigkeiten abhalten. Unter anderem vertrat er als AStA-Referent bereits die Studierendenschaft der Universität Duisburg-Essen (UDE). Ausschlaggebend für sein Engagement sei, dabei mithelfen zu wollen, „Dinge zum Positiven zu verändern. Einfach nur daneben stehen und mit Sachen unzufrieden zu sein, ist und war mir zu wenig“, erklärt er. Chemie-Student Christoph hatte trotz Arbeitsaufwand zwischen zwei und 20 Stunden pro Woche bisher keine Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Studium und Ehrenamt. Er findet aber: „Im Zweifel sind Erfahrung und Engagement wichtiger als Regelstudienzeit.“

Ehrenamt an der UDE

Wer sich an der UDE engagieren will, kann das nicht nur im AStA oder im Studierendenparlament tun. Darüberhinaus bieten sich auch die Fachschaften der jeweiligen Fakultäten an, die vor allem zu Studienbeginn den direkten Anschluss an die neuen Kommiliton*innen erleichtern. Wer sich im Austausch mit Lehrenden und administrativen Mitarbeitenden der UDE aktiv für die Verbesserung der Lehr- und Lernsituation einsetzen will, hat die Möglichkeit, sich in den Senat wählen zu lassen. Studierendenorganisationen wie AIESEC, die sich um die Vermittlung von Praktika kümmern, sowie das Buddy-Programm des Tutoren Service Centers setzen auf den Austausch mit internationalen Studierenden.

Einig sind sich die drei Studierenden, dass ehrenamtliche Arbeit nur funktioniere, wenn es einem selbst auch Spaß macht. Allein schon, weil es oftmals keine Aufwandsentschädigung gibt. Ein Umstand, der nicht immer und für jede*n nachvollziehbar ist. Nils meint: „Sicherlich werden viele davon abgehalten, ein Ehrenamt auszuüben, da sie es sich nicht leisten können und neben Studium und Arbeit weder Zeit noch Energie dafür haben. Je nach Ausgestaltung sehe ich ein bedingungsloses Grundeinkommen als interessanten Ansatz, um dem entgegenzuwirken.“

Laut Freiwilligensurvey von 2014, eine vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend alle fünf Jahre in Auftrag gegebene Befragung, engagieren sich in Deutschland etwa 31 Millionen Menschen ehrenamtlich. Auf ihrem Internetauftritt freut sich die Bundesregierung über den immer größer werdenden Anteil von Ehrenamtlichen: „Jede zweite Person, die sich heute nicht engagiert, ist bereit, sich künftig freiwillig zu engagieren. Es gilt, dieses Potenzial zu heben.“ Kritik im Bezug auf das Ausnutzen von Freiwilligen und Personaleinsparungen sucht man in der Mitteilung vom 14. April 2016 jedoch vergebens.

Uta ist der Meinung, „dass gerade soziale Verbände und dergleichen nicht allein durch Ehrenämtler getragen werden können und dass es Menschen geben muss, die für ihre professionelle Arbeit bezahlt werden“. Andererseits sei sie sich unsicher, „ob nicht das Ungezwungene aus dem Ehrenamt verschwinden würde“, wenn alle entlohnt würden. Auch habe sie das Gefühl, „dass viele Organisationen gar nicht ohne Freiwilligenarbeit bestehen könnten“ und gerade dadurch Ehrenamtliche ihre Tätigkeit „mit sehr viel Leidenschaft oder Herzblut verrichten“ würden.