Ein Zelt aufschlagen

Momentaufnahme von der Party vergangenen Freitag. (Foto:
Jonas Heidebrecht)

Zwei große Zelte umrahmen das Geschehen auf der Wiese vor der geschlossenen Uni-Bibliothek, dazwischen werden kleinere Stände mit Essens- und Trinkmöglichkeiten betrieben, teilweise bemalt oder als Chill-Out-Bereich konzipiert. Am Freitagabend, 20. Oktober, tanzten Studierende und Besuchende in diesem Ambiente ab 21 Uhr kostenfrei bei der „Circus Edition“der Fisimatenten Uni-Party.

Wenige Tage vor Beginn der Fisimatenten-Uniparty wurden mitten auf dem Essener Campus die Gerüste für das Zeltdorf aufgebaut. Am Freitagabend dann: Blaues Licht, schwingendes Haar, die Decke gewölbt, Techno, rote Wände aus Plane, Wiese, Skulptur mit Draht, Teigwaren, Glitzersteine, Leute in Grüppchen, das Bier zum Mund ansetzend. Die Körper bewegen sich in all dem, schweben zwischen Interaktionen. „Mir ist wichtig, dass es immer eine oder mehrere Besonderheiten gibt, sowohl visuell als auch beim Booking“, erzählt Penny Kubale, die im Büro „all den langweiligen und unspannenden, aber zwingend notwendigen Kram“ für die Party organisiert hat.

Sie ist Teil der „Flabbergasted-Bande“, die seit einigen Jahren Parties in Kooperation mit dem AStA veranstaltet. Wichtig sei ihr, dass sich die dahintersteckenden Konzepte von kommerziellen Veranstaltungen abheben. „Ein Thema, ein durchdachtes Konzept, die Auswahl der Künstler*innen, die künstlerischen und teilweise sehr aufwändigen Dekorationen und Installationen“, gehören für Kubale dazu. Sie möchte den Zugang zu „alternativem kulturellen Treiben“ ermöglichen, um „eigene Ideen wachsen zu lassen“.

Im großen Zelt erklang als Hauptakt der deutsche Techno-DJ Seth Schwarz, der 2016 das Fusion Festival bespielte – mit mehr als 120 Beats pro Minute und einer stabilen Kombination aus treibenden Bässen und sphärischen, heiteren Melodien. Das Technozelt drohte aus allen Nähten zu platzen. Im kleineren Zelt wurde mit etwas mehr Raum zu weißen Lichtinstallationen auf 80s, Wave, Funk und HipHop getanzt. Ein Besucher beschreibt sich als entführt, aus der Uni gerissen, sobald er die Zelte betritt. Etwa 600 Personen rauschten im Laufe des Abends über das Spektakel, „jedes Mal verwirrt vom Stimmungswechsel im Gebäude zu den Toiletten, so der Besucher.

Wozu Feiern?

Soziologe Walter Leimgruber beantwortet in einem Essay für die Universität Basel, wieso Menschen Feste feiern. Das Fest sei entgrenzend, exzessiv und damit die Abkehr von Gewohntem. Feste bieten „den sozialen Ort, an dem spontanes und emotionales Verhalten nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist.“ Man durchbreche gewohnte Konventionen, entfliehe der Monotonie des Alltags und gehe „in der unmittelbaren Gegenwart“ auf. Partys würden bestehende Verhältnisse kritisieren, wenn „das Bild einer gerechten, vollkommenen, utopischen Ordnung“ vermittelt würde, denn „[Feste] regen die Menschen an, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und sich eine schönere und bessere Welt zu träumen.“

Einige Partygäste fühlten sich gestört von der hohen Securitypräsenz. Auch der Besuch der Polizei gegen fünf Uhr, um einer gemeldeten Ruhestörung nachzugehen, sowie der Facebook-Post einer Anwohnerin, die sich ironisch für die schlaflose Nacht bedankt, sind kleine Risse in der Partylaune. Es beweist, trotz der gefühlten Losgelöstheit von der Universität, den gesellschaftlichen Rahmen, in dem Partys stattfinden.

Ob sie die Party politisch einordnet, beantwortet Partyteilnehmerin Franziska* und spricht zuerst über die antidiskriminierende Aufforderung auf der Facebook-Veranstaltung. Es sei wichtig, dass sich alle eingeladen und geschützt fühlen, um eine Party überhaupt zu ermöglichen. Weiter sagt sie, dass eine politische Party auch bedeuten könne, ein gesellschaftliches Problem zu thematisieren, da auch politisch weniger Interessierte mit einem Thema in Verbindung kommen können.

* Name von der Redaktion geändert