Neumühl ist (nicht) neu rechts

Für NPD-Verhältnisse eine Großdemonstration: 50 Neumühler*innen schlossen sich im August 2016 einer rassistischen Versammlung der Neonazis an. (Foto: dpe)

Ein Kommentar von Dennis Pesch

Im Duisburger Stadtteil Neumühl haben 21,1 Prozent der Wähler*innen im Zuge der Bundestagswahl der AfD ihre Stimme gegeben. Der Schock sitzt tief, so auch bei Anja Buchmüller-Brand, die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde in Neumühl ist. Sie sagte RP Online: „Offene Fremdenfeindlichkeit begegnet mir hier so nicht.“ Andere Neumühler*innen fürchten: der Ruf des Stadtteils könne leiden, weil man demnächst „als Nazi-Hochburg“ abgestempelt werden könne.

Als hätte Neumühl diesen Ruf nicht zu Recht und schon lange. Man muss sich nur an die Demos der extrem Rechten erinnern, 2013, als aus einem ehemaligen Krankenhaus eine Landesasylunterkunft wurde. Schon bei der Kommunalwahl 2014 räumte Pro NRW fast zehn Prozent der Stimmen ab. Eine folgenreiche Entwicklung: So entsandte man Egon Rohmann in den Duisburger Stadtrat, der mit der NPD-Ratsfrau Melanie Händelkes später eine Fraktion bildete und maßgeblich an Pegida NRW in Duisburg beteiligt war. Duisburg war eine der ersten Städte, in denen sich der Rechtsruck vollzog, es vermehrt zu rassistischen Ausschreitungen und Anschlägen kam.

Dass die Pfarrerin nichts von dem offenen Rassismus im Stadtteil mitbekommen haben will, kann man ihr eigentlich nicht glauben. Schließlich standen die NPD und rassistische Bürger*innen ja direkt vor ihrer Kirche, als die mit Glockengeläute versuchte, eine Demonstration der NPD im August 2016 zu Recht bei der Verbreitung ihrer Hetze zu stören. Dass einige Bürger*innen sich der Realität entziehen, hängt vor allem damit zusammen, dass sie nicht Zielscheibe des Mobs sind.

Erschreckender ist nur die Tatsache, dass der Lokaljournalismus sein Wirken darauf beschränkt, einmal durch den Stadtteil zu laufen, um für die Sensation AfD-Wähler*innen entgegen jeglicher Kriminalstatistik von gestiegenen Straftaten wegen der Zuwanderung von Geflüchteten schwadronieren zu lassen und dann vermutlich erst zu den nächsten Bundestagswahlen wieder im Stadtteil auf Spurensuche zu gehen. Nun angebracht wäre allerdings eine tiefergehende Recherche, konsequentes antifaschistisches Engagement und eine Konfrontation mit AfD-Wähler*innen, die den Namen auch verdient.