Pfandsystem mit Tücken

Eine Alternative zum Pappbecher: The Good Cup im Angebot des Studierendenwerks. (Foto: caro)

Einwegbecher machen Müll. Verdammt viel Müll. Laut Deutscher Umwelthilfe landen pro Stunde 320.000 Einwegbecher im Abfall. Nachhaltigkeit und Müllvermeidung sieht anders aus. Das Unternehmen CupforCup will diesen Umstand mit The Good Cup jetzt ändern und setzt auf ein Mehrwegbecher-Pfandsystem. Das Studierendenwerk Essen-Duisburg ist auf den Zug aufgesprungen und bietet die grau-braunen Becher im Café Rosso und Café Giallo in Essen sowie im U-Café in Duisburg an.

Aber nicht die Menge der Becher allein stelle ein Problem dar. „Man kann die Einwegbecher nicht recyclen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Sven Hennebach von CupforCup. Denn: „Pappe wird mit Kunststofffolie beklebt und kann dann nicht mehr getrennt werden“. Die Becher müssten verbrannt werden. The Good Cup besteht aus als gesundheitlich unbedenklich eingestuftem Polypropylen, „einem zu 100 Prozent recyclebarem Kunststoff“, so Hennebach. Zudem verzichte man auf Stoffe, bei denen die gesundheitlichen Folgen nicht gänzlich geklärt seien. Nichtsdestotrotz dient als Grundlage für die Herstellung von Polypropylen Erdöl, ein endlicher Rohstoff, dessen Gewinnung kritisch gesehen wird. Eine umweltfreundlichere Alternative aus bruchsicherem Glas sei zwar denkbar, so Hennebach, „aber ein solcher Becher würde so teuer, dass man ihn nicht mehr sinnvoll in einem Pfandsystem einsetzen könnte“.

Die Mehrweg-Vision lautet: „Sie steigen in Dortmund in den Zug und kaufen sich vorher einen Kaffee in unserem Becher und geben den dann leergetrunken in Düsseldorf, Köln oder Essen wieder ab.“ Eine Liste aller teilnehmenden Gastronomieunternehmen, die die Becher anbieten, wieder reinigen und auch auf ihre Qualität überprüfen, findet sich auf der Homepage von CupforCup. Mindestens 400 Mal könne ein Becher genutzt werden. „Sollten sich [die Mehrwegbecher] als haltbarer als gedacht herausstellen: umso besser“, meint Hennebach. Woran genau eine Qualitätsminderung ausgemacht wird und welche Konsequenzen diese zur Folge hätten, bleibt offen. In der Rheinischen Post heißt es schwammig: „Danach darf der Kunststoff aus hygienischen Gründen nicht mehr mit Lebensmitteln in Berührung kommen“. Aktuell müssen Nutzende des Pfandsystems zudem noch auf die herkömmlichen Einwegdeckel aus Plastik zurückgreifen, um ein Verschütten des Inhalts zu verhindern. Wegen der Formbeschaffenheit eines Deckels sei eine einwandfreie Reinigung nicht zu gewährleisten. „Wir werden aber bald einen Deckel anbieten, den jeder dann mitführen kann“, erläutert Hennebach.

Für ein Umdenken im Konsumverhalten

Auch das Studierendenwerk an der Universität Duisburg-Essen setzt sich für mehr Nachhaltigkeit und eine bessere Umwelt ein. In der Vergangenheit führte man bereits Sammel-Tassen und eine 10-Cent-Gebühr auf Pappbecher ein. Laut Johanne Peito, Leiterin für Kommunikation und Kultur des Studierendenwerks, konnte dadurch bisher aber noch „keine eklatante Änderung im Konsumverhalten“ der Kund*innen beobachtet werden. „47 Prozent der Heißgetränke werden nach wie vor im Pappbecher verkauft“, führt Peito aus. Das Pfandsystem soll das ändern. Man sei sich bewusst, dass für eine erfolgreiche Umsetzung die Konsumierenden umdenken müssten und ein neues Verhalten erlernt werden müsse: Die Mehrwegbecher müssen zuerst an der Kasse erworben und anschließend an den Selbstbedienungsautomaten befüllt werden. Das sei zwar „unbequem“, diene aber zur Sicherstellung, dass der Pfand bezahlt werde.

Trotz des Umstandes, dass der Becher bis zum nächsten Pfand-Partner transportiert werden muss, glaubt das Studierendenwerk, dass er für viele eine Alternative darstellen werde. „Der Becher ist leicht und liegt nicht so schwer in der Tasche wie herkömmliche Thermobecher oder To-Go-Becher aus Porzellan.“ Da der Einwegbecher weiterhin parallel angeboten wird, bleibt abzuwarten, ob The Good Cup von den Studierenden und Mitarbeitenden der Universität angenommen wird oder diese weiterhin den Weg zum Mülleimer nach dem Kaffeegenuss bevorzugen. Da sich die teilnehmenden Partnerbetriebe bisher auf das Studierendenwerk, den Stadtteil Rüttenscheid sowie einen Standort in Essen-Werden beschränken, könnte das System – bei aller Liebe zur Umwelt – als umständlich verstanden werden.