RUB: Shitstorm wegen Nazisymbol

Nicht nur das Hakenkreuz steht als Symbol für Nazismus. Ein Mitarbeiter der RUB trug dagegen kürzlich eine Kornblume. (Symbolbild: dpe)

Wieder die Ruhr-Universität Bochum, wieder Kritik wegen eines rechten Mitglieds. Die Hochschule sah sich nach dem Wahlabend der Bundestagswahl mit Unmut von Studierenden konfrontiert. Matthias Helferich, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Direktkandidat für die AfD in Dortmund, hatte sich am Tag der Auszählung eine Kornblume angesteckt. Ein Student sah darin ein Symbol für österreichische Nationalsozialisten und konfrontierte die Uni auf Facebook. Die distanziert sich, während Studierende die Entlassung des Mitarbeiters fordern.

„Denken Sie wirklich, dass eine solche Person zum Motto der Ruhr-Universität passt? Menschlich? Weltoffen? Wohl kaum!“ schreibt der Nutzer Justin Ixodida auf Facebook an die Ruhr-Universität. Er erklärt: „Durch das Tragen einer Kornblume am Jackettrevers stellt er sich in die Tradition der Schönerer-Bewegung sowie der Nationalsozialisten in Österreich. Georg von Schönerer war radikaler Antisemit, Nationalist und starker Einflussnehmer auf Adolf Hitler. Er machte die Kornblume zu seinem Parteisymbol.“ Die Kornblume wird heute in Österreich vor allem auch von deutschnationalen FPÖ-Mitgliedern wie Heinz-Christian Strache getragen, welchen Helferich auch auf Facebook liket. Über 900 Menschen reagierten direkt auf den Post, der sich schnell in den sozialen Medien verbreitete.

Der Unmut gegenüber der Uni ist groß. So schreibt eine Nutzerin mit dem Pseudonym der Schriftstellerin Virginia Woolf: „Von einer weltoffenen Uni erwarte ich mir klare inhaltliche Stellungnahmen, erwarte ich mir Entrüstung über Helferich und empathische Solidaritätsbekundungen für die Menschen, die an der RUB und darüber hinaus unter seiner ‚Meinungsfreiheit’ leiden müssen! Dieser trockene Ton ist für mich ein Schlag ins Gesicht.“ Eine weitere Userin wundert sich, denn Helferich sei schon als Studierender an der Juristischen Fakultät als sich bekennender Rassist aufgefallen. Andere kritisierten die Forderungen nach Entlassung: „dies ist ein Armutszeugnis für deutsche Universitäten und ihre Streitkultur, es verhindert Dialog und verhärtet Fronten“, schreibt etwa Niklas John.

Helferich selbst äußert sich nicht unter dem Post, sondern in weiteren Kommentarspalten mit seinem Privatprofil gegenüber kritischen Nutzer*innen: „Ich bin beliebt bei den Studenten und brauche von Ihnen keine Ratschläge in der Berufsplanung. Schön, dass auch die Unionisten den linken Gesinnungsterror begrüßen. Verkrampfen Sie nicht beim Kampf gegen Rechts.“ Auf Facebook ist Helferich für diesen Ton bekannt – dort postet er etwa Bilder vom Verteilen der neurechten Zeitschrift Junge Freiheit mit der Unterzeile „Für die Presse- und Meinungsfreiheit und gegen Staatspropaganda“ oder liket mit seinem Privatprofil den Höcke-nahen und völkischen Flügel angehörenden AfD-Mann André Poggenburg aus Sachsen-Anhalt sowie Posts, in denen steigende Umfragewerte der AfD nach der Dresdner Rede von Björn Höcke geteilt werden.

Werbung für Antisemitismus?

Auf Nachfrage der akduell, ob der Universität Beschwerden gegen Helferich vorlagen, verneint sie: „Der Universitätsleitung sind bisher keine Beschwerden über seine Äußerungen zugetragen worden, auch war dies bis dato kein Thema in Gremien oder im Personaldezernat der RUB.“ Auf die Forderungen nach Entlassung antwortet die Hochschule: „Wir halten uns an geltendes Recht und Gesetz. Solange ein Beschäftigter der RUB nicht strafrechtlich verfolgt oder verurteilt wird, hat er grundsätzlich das Recht, an der Universität zu arbeiten.“ Man behalte die Diskussion um die Äußerungen und Auftritte von Herrn Helferich aber im Blick und setze sich sachlich damit auseinander.

Zu diesen Vorwürfen gehört etwa auch das Bewerben und Verlosen des Skandal-Buches Finis Germania (dt.: Das Ende Deutschlands) vom verstorbenen Historiker Rolf Peter Sieferle auf dem Facebook-Profil Helferichs. Die im neurechten Antaios-Verlag unter der Leitung des neurechten Publizisten Götz Kubitschek erschienene Textsammlung ist umstritten. Die einen sehen darin ein „zutiefst von antisemitischen Vorstellungen“ getränktes Werk, wie der Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Andere widersprechen: Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski bezeichnete die Kritik als „fahrlässige und hysterische Debatte.“

Auf Facebook reagierte die Hochschule so: „Die Uni distanziert sich von jeglicher radikalen oder extremen politischen Gesinnung. Wir bekennen uns eindeutig zum Leitbild der Weltoffenheit.“ Darunter fielen auch Antisemitismus und Nationalsozialismus. Es ist nicht das erste Mal, dass die Uni mit rechten Strukturen konfrontiert ist. Im Dezember 2013 outeten als Weihnachtsmänner verkleidete Studierende den Neonazi Michael Brück als Mitglied der Partei Die Rechte während einer Jura-Vorlesung. Dabei kam es zu Tumulten und im Anschluss zu Schlagzeilen über die Universität.

Auch Brück konnte nach dem Vorfall weiter an der Bochumer Uni studieren – allerdings organisierten AStA und Rektorat danach gemeinsam die Veranstaltungsreihe für Vielfalt und Toleranz. Der Journalist Marcus Arndt, der das Bild vom Kornblumentragenden Helferich bei Twitter gepostet hatte, kommentiert das auf Facebook so: „Oder wie war das noch mit dem Rechtsextremisten Michael Brück? ‚Damals wie heute alles nette Leute’ lautet wohl das Motto der RUB.“