Das Zeitalter der Nachhaltigkeit

In Bonn wurde am vorletzten Wochenende für Klimaschutz demonstriert. (foto: lys)

„Wir sind auf dem richtigen Weg in ein neues Zeitalter der Nachhaltigkeit“, behauptete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei der Klimakonferenz in Bonn. Seine Partei und die FDP stimmten schon 2013 gegen einen gesonderten NRW-Klimaschutzplan, auch die Afd nannte ihn jüngst in einem Gesetzesentwurf „überflüssig“.

Die Parteien zeigen sich ignorant: Ob der rot-grüne NRW-Klimaschutzplan überhaupt gereicht hätte, um das Pariser Abkommen im Industriegeprägten NRW umzusetzen, wurde nicht geprüft. Und jetzt soll er verworfen werden. Das „Zeitalter der Nachhaltigkeit” wirkt ironisch angesichts der fehlenden Maßnahmen. 2017, in einer Zeit, in der Klimawandel noch begrenzt werden kann, haben die Parteien nichts Besseres vor, als mit der Braunkohlelobby zu koalieren. Ob mit schwachem NRW-Plan oder nicht, uns erwartet wohl eine düstere Zeit.

Zukunftsvision

November 2050. Es ist warm, und es stürmt in Deutschland. Massenhaft Vögel kreisen kreischend über der Stadt. Sauberes Wasser gibt es in (Plastik-)Flaschen, teuer mit Filtersystemen aufbereitet. Reiche duschen mit Flaschenwasser, die anderen fangen den sauren Regen auf. Zur Uni muss man immer noch, in neuer Mode aus Armee-Schutzkleidung, mit riesigen Kapuzen und integriertem Mundschutz. Wer sich nicht durch die Feinstaubwolken der heftigen Winde kämpfen will, hofft, dass irgendeine Bahn bei dem Sturm fährt oder man einen Gelände-Segway geliehen bekommt. Infrastruktur? Dieselbe wie heute. Hin geht es am leichtesten im Elektroauto, billig mit Braunkohleenergie geladen. Im NRW-Klimaschutzplan steht nämlich: „Technologien zur wesentlichen Minderung von Treibhausgasemissionen [werden] dann möglich sein, wenn Unternehmen mit energieintensiven Produktionsprozessen weiterhin wettbewerbsfähig bleiben“. RWEs Aktien sind 2050 immer noch stabil, im Gegensatz zur Temperatur.

100 Millionen Euro für den NRW-Klimaschutz und die Folgenanpassung wurden in Strom-Wärme-Kopplungen und andere halbherzige Technologien gesteckt, weitere graue Blöcke, die es richten sollen, aus dem Boden gestampft. Klima-Geflüchtete und Arbeitslose bestäuben als Ein-Euro-Job die Blumen per Hand; Eine Bewegung erkämpfte 2037 glorreich das Recht auf betonierte Moosstationen, alle hundert Meter in der Innenstadt. Man erstickt, trotz Moos, fast beim Atmen. Die Luft ist schwül vom vielen Niederschlag, vom Methan und CO2 erhitzt. Alle großen Gebäude außer dem Arbeitsamt sind mit einer Glaskuppel umringt, temperiert und mit Systemen ausgestattet, die innen die Sauerstoffpartikelkonzentration auf den Stand von 1990 bringen. Man betritt die Gebäude mit Fingerabdruck durch mehrere Filterstationen am Eingang und in der Mensa gibt es auch 2050 noch Rind, „stickstoffoptimiert“ gefüttert.

Nachhaltigkeit verbleibt als Versprechen, dafür hat, wie im Klimaschutzplan verankert, „das NRW-Umwelt- und -Wirtschaftsministerium […] eine Informationsoffensive zu Elementarschadenversicherungen gestartet“. Wer das Geld hat, ist rundum versichert, gegen Hochwasserschäden, Sturmverwüstung, Wetterextrem-bedingte Krankheitsfälle. Und auch gegen wirtschaftlichen Schaden, weil anhaltende Hitzeperioden zu Kühlwassermangel bei Kraftwerken und Industrieanlagen führen können. Wer das Geld hat, besitzt eines dieser neuartigen Gesichtsgläser, ein Goldfischglas das man auf den Kopf zieht, um sich, wo man geht und steht, hinreichend Sauerstoff zuzuführen. Der Rest hat Pech, und lebt mit den nachweislich schwindenden IQ-Punkten bei hoher Luftverschmutzung. Die Konsequenzen tragen ist was für arme Leute und bestimmt nichts für die Braunkohleindustrie.