Die Kammer des Schreckens

Weder Fluffy noch Schlingpflanzen – lediglich energetische Sanierungsarbeiten im zweiten Obergeschoss. (Foto: dav)

Der verbotene Korridor an der Universität Duisburg-Essen ist im Gegensatz zum Harry-Potter-Roman jedoch nicht im dritten, sondern im zweiten Obergeschoss. Aber warten dort dennoch auch ein dreiköpfiger Wachhund und eine Reihe kniffliger Aufgaben? Seit Semesterbeginn ist das zweite Obergeschoss der Bibliothek auf dem Essener Campus gesperrt, voraussichtlich noch bis Ende des Wintersemesters – für Studierende und Mitarbeitende der Bibliothek keine einfache Situation.

„Fassadensanierung: 2. OG geschlossen!“, begrüßt der weiße Pappaufsteller im Erdgeschoss der Bibliothek Studierende beim Betreten. Doch nicht nur dort fallen zur Zeit Lernplätze für Studierende weg. Rosemarie Kosche, Baureferentin an der Universität Duisburg-Essen, erklärt: „Diese Baustelle trifft uns in einer Situation, in der wir ohnehin schon durch unsere Brand- und Schadstoffsanierung im Erdgeschoss eingezwängt sind.“ Dass sich auch auf längere Sicht auf Baustellen in der Bibliothek eingestellt werden muss, erklärt Ute Nieskens vom Dezernat Gebäudemanagement: „Diese Maßnahmen sind Teil der komplexen baulichen Sanierungen im Gebäude R11, die noch bis Ende Oktober 2018 andauern.“ Zumindest auf Lernmaterialien aus dem Zeitschriftenlesesaal müssen die Studierenden nicht verzichten. Sie können online bestellt und von Mitarbeitenden aus dem Saal geholt werden.

Keine einfache Lernsituation

„Gerade ist es natürlich etwas schwierig, wo das zweite Obergeschoss gesperrt ist. Die Sperrung merkt man auf jeden Fall“, berichtet Peter Bockwinkel, der im Master Märkte und Unternehmen studiert. Bisher habe er jedoch immer einen Platz gefunden. „Wenn es gegen Ende des Semesters geht, wird es aber vermutlich schwieriger.“ Lisa Poloczek studiert im siebten Semester Spanisch und Geschichte auf Lehramt. Sie sieht vor allem bei den Computer-Arbeitsplätzen knappe Ressourcen: „Ich habe gerade auch wieder gemerkt: Die ganzen PC-Plätze sind besetzt und dann ist es schon schwierig, wenn man etwas drucken will. Wenn man ohne die Computer arbeiten will, geht es aber.“

Beim Dezernat Gebäudemanagement ist man sich dieser Platznot bewusst. Ute Nieskens erläutert: „Zusätzliche Lernplätze sollen im Rahmen der Erweiterung und ergänzenden Sanierung der Bibliothek am Campus Essen entstehen. Diese Maßnahme befindet sich derzeit in Vorbereitung zur Planung.”

An den jetzigen Baumaßnahmen führte jedoch kein Weg vorbei, betont Baureferentin Kosche, da es „in den vergangen Wintern nur mit größter Mühe gelungen ist, dort 20 Grad Raumtemperatur zu erreichen.“ Für einige sei die Sperrung der Fläche sicherlich verwunderlich, wurde sie doch vor zwei Jahren erst eröffnet. Dass die Sanierung durchgeführt werden musste, sei aber bekannt gewesen. Vom dritten bis zum achten Stock ist die Außenfassade des Gebäudes R11 bereits saniert worden. Lange gingen Organisation der Baustelle, Bibliothek und Gebäudemanagement davon aus, dass die Erneuerungen vom zweiten Obergeschoss im laufenden Betrieb geschehen könnte, „was sicherlich auch abenteuerlich gewesen wäre“. „Es hat sich aber gezeigt, dass dieser Plan nie bis zu Ende gedacht worden war: Es geht nämlich allein wegen der Fluchtwege nicht“, ergänzt Kosche.

Ehemalige Folkwang-Räume nutzen

Doch nicht nur für Studierende, auch für Mitarbeitende der Universitäts-Bibliothek hat die Sperrung Folgen. „Für sie ist es ein erhöhtes Stresslevel und ein erneuter Umzug. Das ist natürlich anstrengend“, sagt die Baureferentin. Dass die Büros der Mitarbeitenden nun nicht in Containern, sondern in anderen Räumlichkeiten der Universität untergebracht sind, liegt an einer glücklichen Terminüberschneidung: Mit der Eröffnung des Folkwang-Neubaus neben der Zeche Zollverein sind sonst von der Folkwang genutzte Flächen der Bibliothek zur Verfügung gestellt worden. „Die Situation ist dann in allem Elend doch auch wieder ein wenig glücklich“, so Kosche.

Dem Umzug der Folkwang-Universität sei es auch zu verdanken, dass seit Dienstag, 24. Oktober, Ausweichflächen zur Verfügung gestellt werden können. Diese sind jedoch gar nicht so einfach zu finden: Am hinteren Ende von Raum BC befindet sich, etwas versteckt, eine Tür, die zum Flur vom Gebäude R12 führt. „Dort haben wir fünf neue große Säle – alte Seminarräume – mit Stühlen und Tischen ausgestattet, sodass wenigsten ein rudimentärer Arbeitsplatz da ist“, beschreibt Kosche. Zurzeit hätten die Räumlichkeiten auch noch kein WLAN, „das ist aber auf dem Weg und es ist klar, dass es kommen muss“. Ein 100-prozentiger Ersatz für die weggefallenen Arbeitsplätze ist diese Lö- sung jedoch nicht. „Es ist auch ganz offenkundig, dass die Qualität, die wir im zweiten Obergeschoss hatten, auf der Ausweichfläche nicht gegeben ist“, gesteht Kosche und fügt hinzu: „Für die Benutzung kneift es momentan einfach an allen Ecken und Enden.“