Durch das Portal in den Anmeldefrust

Das neue Prüfungsanmeldesystem HISinOne lässt Studierenden die Haare zu Berge stehen. (Foto: rat)

Die Kursbelegungen über das Portal Lehre, Studium und Forschung (LSF), zusätzliche Lehrmaterialien im Semesterapparat und Onlinekurse auf Moodle. Man könnte meinen, dass mit diesen drei Plattformen die Universität Duisburg-Essen (UDE) bereits genug Verwirrung bei Studierenden und Dozierenden schafft – aber weit gefehlt. Die globale Prüfungsanmeldephase über das HISinOne bringt nun zusätzlichen Stress – vor allem dann, wenn das System nicht funktioniert.

Es ist Dienstagmorgen. Im Seminarraum wird bereits eifrig diskutiert. Aber nicht über den Text, der gelesen werden sollte, sondern über das Prüfungsanmeldesystem HISinOne. Nicht bei allen hat es funktioniert. Dabei sollten sich alle Studierenden seit dem 6. November über das Portal für ihre Prüfungen registrieren können. Auch die Dozentin bekommt die Unruhe mit, als sie schließlich den Raum betritt. „Bei wem hat es jetzt alles nicht funktioniert?“, fragt sie in die Runde. Sechs, sieben Hände gehen in die Höhe. „Über das Portal ging gar nichts“, schildert ein Studierender. „Als ich dann im Prüfungsamt war, hat man mich da zwar angemeldet, aber es hat mir auch keiner gesagt woran es jetzt genau lag.“ Einige andere Studierende berichten jedoch auch davon, dass sie auf E-Mail-Anfragen an ihr Prüfungsamt keine Rückmeldung bekommen hätten. „Hingehen, die E-Mails gehen unter“, lautet die knappe Antwort einer Facebook-Nutzerin auf die Beschwerden.

Zu viele Änderungen auf einmal

„Grundsätzlich funktioniert das HISinOne-System“, relativiert Thomas Lipke vom Prüfungswesen der UDE die derzeitige Lage. „Allerdings sind in der Vorbereitung der aktuellen Anmeldephase aufgrund vieler Änderungen und auch damit verbundenen Kommunikationsschwierigkeiten mit allen Beteiligten Probleme mit der Onlineanmeldung am Campus Essen für das aktuelle Semester entstanden“, erläutert er weiter. Konkret heißt das: Während die Umstellung auf das Prüfungssystem HISinOne bereits zum vergangenen Sommersemester für den Essener Campus erfolgte, wurde es unabhängig davon generell für die 2-Fach Bachelor und 2-Fach-Masterstudiengänge zum Wintersemester eingeführt. Studiengänge, wo zuvor Prüfungsanmeldungen altmodisch per Anmeldeformular beim Dozierenden erfolgten und nichts online verbucht wurde, sind davon betroffen.

Gesucht: Ein einheitliches System

Doch selbst bei Studiengängen, bei denen die Anmeldungen schon seit April dieses Jahres über das System laufen, gab es erneut Probleme. „So konnte ich mich vergangenes Semester auch nicht zu einer Nachprüfung anmelden, denn mein Attest-Nachweis konnte ebenfalls nicht über HISinOne verzeichnet werden“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. Dieses Erlebnis bestätigt auch Matthias von der Fachschaft Lehramt: „Im Prüfungsausschuss erhalten wir oft Fälle, bei denen sich Studierende von Prüfungen an- beziehungsweise abgemeldet haben und das System dies aber verschludert hat.“ Wirklich helfen könne man dann nur, wenn ein Screenshot vorliege, was aber meistens nicht der Fall sei. „Da kommt es dann manchmal vor, dass man alle Vorlesungen hört und die Klausur nicht mitschreiben darf. Oder man bekommt einen Fehlversuch, weil die Abmeldung verschluckt wurde“, so Matthias. „Das System ist nicht darauf ausgelegt, dass jemand Prüfungen ablegen möchte, die laut Regelstudienzeit schon vor mehr als einem Semester fällig gewesen wären“, sagt zudem Facebook-Nutzerin Carina. HISinOne – ein System, das an allen Ecken zu klemmen scheint.

Warum überhaupt alle universitätsinternen Angelegenheiten über so viele verschiedene Plattformen abgewickelt werden müssen, stößt auf Unverständnis. „Generell regen sich bei uns alle Studierenden über die Mehrplattform-‚Lösung‘ auf“, sagt auch Matthias über die Eindrücke von den Lehramts-Studierenden. „Eine Plattform für alles wäre sehr viel einfacher“. Im kommenden Herbst sollen Anmeldungen auch für den Campus Duisburg auf das HISinOne umgestellt werden. Essener Studierende haben noch bis zum 17. November Zeit, HISinOne zu probieren – oder doch persönlich zum Prüfungsamt zu gehen. Facebook-Nutzer Marcel urteilt derweil vernichtend: „Das HIS-inOne sieht aus wie das gescheiterte Projekt eines Informatikpraktikanten.“