Fortbewegung wie auf dem Land

Die DVG möchte ihr Angebot verbessern und setzt nun Kleinbusse ein, die unabhängig von Abfahrtzeiten und Linien fahren. (Foto: fro)

Seit Freitag kommen ÖPNV-Nutzende in Duisburg in einen ganz neuen infrastrukturellen Genuss. Was in ländlichen Gebieten seit Jahren den traurigen Höhepunkt der gemeinschaftlich-mobilisierten Fortbewegung darstellt, erhält nun auch Einzug in die Stadt an Rhein und Ruhr: Mit MyBus bringt die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) eine neue Transportmöglichkeit auf die Straßen.

Überteuerte Preise für Taxifahrten gehören damit der Vergangenheit an. Freitag startete die dreijährige Pilotphase des Mobilitätsprojektes MyBus. Damit können ÖPNV-Nutzende unabhängig von Fahrplänen und Haltestellen einen Kleinbus bestellen, der sie von einem beliebigen Punkt im Projektgebiet bis zu einer Nachtexpress-Haltestelle oder gar vor die Haustür fährt. Zu einem Preis von 2,50 Euro für Inhabende einer Monatskarte beziehungsweise 3,20 Euro für andere ÖPNV-Nutzende kann eine Fahrt im Kleinbus gebucht werden. Freitags und samstags können die Busse in der Zeit von 19 bis 4 Uhr, sonntags von 10 bis 19 Uhr gebucht werden.

Die Reservierung der Kleinbusse setzt jedoch den Besitz eines Smartphones und einen Internetzugang voraus, denn sie können lediglich via App gebucht werden. Die MyBus-App ist für iOs- und Android-Betriebssysteme verfügbar. Wer ein Windows Phone besitzt, muss – wie so oft – auf technischen Fortschritt verzichten. Nachdem man in der App Start- und Zielpunkt angegeben hat, berechnet sie die Route automatisch in Echtzeit. Als Kund*in weiß man also sowohl wann der Bus am Startpunkt eintrifft als auch wann man das gewünschte Ziel erreichen wird.

Mehr Schein als Sein

Bevor die Nutzung von MyBus vergangene Woche für alle zugänglich gemacht wurde, konnten bereits ausgewählte ÖPNV-Nutzende das Angebot testen. „Die Resonanz war durchweg positiv,“ sagte Birgit Adler, Projektleiterin von MyBus und Bereichsleiterin bei der DVG, gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Auch in den Kommentarspalten der DVG auf Facebook jubilieren viele über das neue Angebot.

In den Genuss der Kleinbusse wird jedoch nur ein auserkorener Personenkreis der Duisburger*innen kommen, denn das Angebot ist örtlich begrenzt. Nur Ziele in den Stadtteilen Mitte, Altstadt, Dellviertel, Duissern und Neudorf werden angefahren. ÖPNV-Nutzende aus anderen Stadtteilen könnten die Kleinbusse also lediglich nutzen, um beispielsweise nachts vom Innenhafen zu einer Nachtexpress-Haltestelle zu gelangen. Sollte die Pilotphase positiv ausfallen, wolle die DVG das Angebot aber erweitern und auch andere Stadtteile in den Projektradius einbinden.

Dass die DVG die eingesetzten Kleinbusse als Pionierprojekt umwirbt, stößt in den sozialen Medien allerdings auf Unverständnis. „Rufbusse auf bestimmten Linien gibt es doch wohl inzwischen in jeder besseren Großstadt. Was soll daran einmalig sein?“, fragt Facebook-Nutzer Enrico Stiel unter einem Beitrag des Deutschlandfunks. Auch André Lehnshack schließt sich der Kritik an: „Rufbus ist doch auf dem Lande schon teilweise längst Alltag“.

DVG hat viele Baustellen

Während die DVG mit MyBus und weiteren geplanten Straßenbahnlinien versucht, das ÖPNV-Angebot zu vergrößern, muss sie gleichzeitig den Bestand dringend sanieren (akduell berichtete). Seit Jahren müssen Straßenbahnen der Linien 901 und 903 aufwendig und kostspielig erneuert werden – was zu Schienenersatzverkehr und überfüllten Straßenbahnen führt. 28 der insgesamt 64 zum Teil seit 30 Jahren durchs Stadtgebiet rollenden Straßenbahnen müssen zu Kosten von je 750.000 Euro seit 2015 saniert werden. Nach Angaben der DVG würden aktuell sechs Bahnen saniert, bei neun weiteren stehe die Erneuerung noch aus (Stand: Oktober 2017). Auch sollen künftig neue Straßenbahnen im Linienverkehr eingesetzt werden. 2019 sollen die ersten Prototypen auf die Schiene kommen.