Gib Geld, gib Geld!

Praktikumsvertrag? Gibts nicht immer, ebenso wenig wie Geld oder eine faire Behandlung. (foto: seg).

Ein Kommentar von Julia Segantini

Immer wieder ein leidiges Thema: Das Praktikum. Selten lehrreich und meistens unterbezahlt – wenn überhaupt. Die meisten wurden schon mal bei einem Praktikum ausgebeutet. Aber wie sieht da eigentlich die Rechtslage aus? Der Mindestlohn wird erst ab einer Länge von drei Monaten fällig und auch nur, wenn es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt.

Es wird nämlich davon ausgegangen, dass Praktikant*innen nicht zum wirtschaftlichen Erfolg eines Betriebs beisteuern, sondern ihm im Gegenteil zunächst zur Last fallen und erst eingearbeitet werden müssen. Diese Annahme ist schon mal Unsinn. Eine Einarbeitung dauert in der Regel keine drei Monate. Und wie oft wird man nicht vernünftig eingewiesen? Die Kolleg*innen wissen oft nichts mit Praktikant*innen anzufangen und betreuen sie gar nicht oder unzureichend. Von dem teilweise schlechten Umgang mal ganz abgesehen.

Dass davon ausgegangen wird, man würde nicht aktiv zum Unternehmen beitragen, ist unglaublich dreist. Gerade wenn man schon Erfahrungen hat oder ein einschlägiges Studium vorweist, kann man sehr wohl schon einen sinnvollen Beitrag leisten. Außer natürlich, man wird zum Akten sortieren verdonnert. Ich hatte bis jetzt noch kein Praktikum, bei dem ich nicht Vollzeit gearbeitet oder sogar noch Überstunden gemacht habe. Meinen Nebenjob konnte ich trotzdem noch ausüben, weil ich nur am Wochenende gearbeitet habe. Gut, ein soziales Leben hat man dann natürlich nicht mehr, aber wer braucht das schon?! Manche müssen ihre Nebenjobs sogar kündigen, weil durch das (unbezahlte!) Praktikum einfach keine Zeit mehr dafür ist.

Bei einem Orientierungspraktikum, das nach drei Monaten verlängert wird, befindet man sich in einer Grauzone hinsichtlich dessen, ob der Mindestlohn rückwirkend ausbezahlt wird, oder erst ab dem ersten Tag der Verlängerung. Wofür sich die meisten Betriebe entscheiden, dürfte klar sein. Eigentlich unfassbar, dass die Gesetze immer noch zu Gunsten von Arbeitgeber*innen und zum Nachteil von Studierenden gelten.

Festgelegt werden die Arbeitsbedingungen im Arbeitsvertrag. Leider bekommt man den teilweise erst am Ende des Praktikums, oder, in seltenen Fällen, auch gar nicht. Das ist nicht nur unverschämt, sondern auch nicht gesetzeskonform. Die Arbeitgeber*innen interessiert das aber häufig nicht. Warum sollten sie sich wegen eine*r x-beliebigen Praktikant*in den Stress machen? Da steht sowieso direkt der nächste in der Warteschlange.