„I felt like I was made a stranger“

Für Akran und Dilya würden Studiengebühren das Aus von akademischer Bildung in Nordrhein-Westfalen bedeuten. (Fotos: dpe)

300 Studierende trafen sich am Dienstag, 21. November, vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof, um gegen die Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger*innen zu demonstrieren. Bis zum NRW-Landtag zogen potenziell betroffene Studierende, verschiedene ASten und das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) mit Bannern, Schildern und Parolen. Anlass war die Verhandlung eines Gesetzesentwurf der SPD im Wissenschaftsausschuss des Parlaments, der Studiengebühren verbieten soll.

„Die Festung Europa darf es weder im Mittelmeer, noch an den Hochschulen geben“, sagte Kurt Stiegler, Sprecher des ABS, zu Beginn der Demonstration am Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Düsseldorf. Auch die Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft, IG Metall und der DGB beteiligten sich an den ersten großen Protesten, die mit 11 Uhr in die Vorlesungszeit fielen und dennoch in der Spitze bis zu 300 Menschen mobilisierten.

Studiengebühren spalten Wissenschaftsausschuss

Katrin Lögering, Vorsitzende des Landes-ASten-Treffen NRW, hatte im Vorfeld an der Planung der Proteste mitgewirkt und sprach als Expertin im Wissenschaftsausschuss für den SPD-Gesetzesentwurf. Konfrontiert werden die Studierenden aus den Kreisen von FDP und CDU oft damit, dass sie sich „niemals auf die Straße gestellt hätten, um die Studienbedingungen zu verbessern“, erklärt Lögering. Sie weist den Vorwurf scharf zurück: „Wir kämpfen Tag und Nacht in den Gremien für die Verbesserung der Studienbedingungen“, meint sie mit Blick auf die Arbeit der Studierenden in den Parlamenten, Fachschaften und Senaten der Hochschulen. Auch sei sie eingeladen worden, weil das Landes-ASten-Treffen eine Meinung vertrete, „die nah an den Studierenden ist.“

Ob es Chancen gebe, Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger*innen zu verhindern, kann sie zwar nicht beantworten, stellte aber in Aussicht, dass das Konzept erst einmal „die von der FPD geplanten 100 Millionen Euro einbringen muss“, um sich durchzusetzen. Düster sieht es für die Studiengebühren-Gegner*innen derzeit trotzdem aus, denn im Wissenschaftsausschuss sind die Stimmen gespalten und die Mehrheiten liegen nach wie vor bei CDU und FDP. Die Hochschulrektorenkonferenzen befürworten die Pläne von Schwarz-Gelb, die Gewerkschaften lehnen sie ab.

„That’s just not the salaries people make.“

Für die internationalen Studierenden auf der Demo am Dienstagmorgen ist bereits schon klar, dass die Einführung einer Katastrophe gleich käme, wie sie im Gespräch mit der akduell sagen. Dilya kommt aus Tadschikistan in Zentralasien und studiert an der Universität Bielefeld – genau wie Akran, die aus dem Iran hergekommen ist. Dilya zeigte sich enttäuscht von den Plänen und sagt: „This idea that NRW might be a place for free education was just crushed, in my eyes.“ Beide verweisen im Gespräch mehrfach darauf, dass sie sich ihren Geburtsort nicht aussuchen konnten. „It‘s very clear, you cannot do anything to change it, because you can’t choose to be born in the European Union. I definitely felt like I was made a stranger, like I was an outsider and I also felt discriminated“, erklärt sie.

Akran macht sich auch Sorgen um ihren Studienabschluss in Deutschland. „If my parents hadn’t helped me out, I couldn’t have come. At first, we also had to bring 8.000 Euro for our Visa and living here. If we had to bring more and more, it would be impossible for me to come here because my parents got a loan for me. They are paying for me“, sagt sie mit Blick auf den Betrag von 1.500 Euro pro Semester. Für Dilya spielt auch die Jobsuche eine Rolle. Auf der Demo trägt sie ein Schild: „1.500 Euro sind fünf Monate Miete für mich“, ist dort zu lesen. „I think I won’t be able to pay it because it’s a huge struggle for international students to find at least a mini-job, which does not completely ruin the studies“, erklärt sie die Situation von ausländischen Studierenden mit Bezug auf oft schlechte bezahlte Arbeit. „I can’t ask friends or family for money, that is too much.“

In Tadschikistan, erklärt sie, würden die Menschen nicht einmal 1.500 Euro im Monat verdienen: „That’s just not the salaries people make. So for me, taking some credit back in my home country wouldn’t ever make sense because I would never be able to pay it back.“ Akran hofft indes weiter, dass die Landesregierung die Pläne doch nicht in die Tat umsetzt. Andernfalls sagt sie: „I really don’t know what I should do.“