Im Interview: Grüne Hochschulgruppe

Die Grüne Hochschulgruppe tritt in diesem Jahr mit 35 Kandidat*innen zur Wahl an. (Bild: GHG)

Vom 27. November bis zum 1. Dezember wird an der Universität Duisburg-Essen das neue Studierendenparlament gewählt. Im Interview erklärt die Grüne Hochschulgruppe (GHG), was sie in der nächsten Wahlperiode plant und umsetzen möchte.

akduell: Das Ruhrgebiet ist die Hochburg des Pendelns. Das Semesterticket auf dem Smartphone sorgt für Frust, Parkplätze an den Campussen sind rar, Fahrrad-Schnellwege längst nicht Realität. Was plant ihr für die Studierenden in Sachen Mobilität zu tun?

GHG: Nextbike haben wir etabliert, unser nächstes Ziel: An jedem Wohnheim eine Nextbikehttp://akduell.de/2017/11/im-interview-die-gruene-hochschulgruppe/?preview_id=17820&preview_nonce=4bc9114dc9&_thumbnail_id=-1&preview=true-Station! Wir sehen aber auch die Städte in der Pflicht, bessere Mobilitätsbedingungen insbesondere im Radverkehr zu schaffen. Das Semesterticket auf dem Smartphone beschäftigt uns auch schon seit mehr als einem Jahr und wir geben nicht auf, das System studifreundlicher zu machen. Dass der ÖPNV insbesondere in Duisburg ausbaufähig ist, steht außer Frage. Wir wollen ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept für die Uni.

akduell: Diszipliniertes Lernen steht dem Wunsch gegenüber das Studium frei und flexibel zu gestalten. Viele Studierende arbeiten in bis zu drei Jobs. NRW-Wissenschaftsministerin Pfeiffer-Poensgen plant die Einführung der Anwesenheitspflicht für Universitäten wieder zu ermöglichen. Ist das noch zeitgemäß?

GHG: Klare Antwort: Nein. Viele Studierende haben schlicht nicht die Möglichkeit, in dieser Regelmäßigkeit an Seminaren teilzunehmen, da sie arbeiten müssen, ehrenamtlich tätig sind Angehörige pflegen, oder Kinder haben. Die Hörsäle indes sind der potentiellen Anzahl von Anwesenden kaum gewachsen. Wir glauben an ein selbstbestimmtes Studium und daran, dass Studierende frei entscheiden können, wann sie wo anwesend sein wollen.

akduell: Die Landesregierung will Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer*innen einführen, mit dem Ziel Personalschlüssel, Qualität des Studiums und Ausfinanzierung der Hochschulen zu verbessern. An der UDE studieren 7.478 Menschen aus Nicht-EU-Ländern (Stand WS 2016/17). Wie werdet ihr euch dazu im StuPa verhalten?

GHG: Wir haben bereits in der vergangenen Wahlperiode einen Antrag eingebracht, mit dem wir uns gegen diese diskriminierenden Studiengebühren positioniert haben, und haben Demos dagegen mitorganisiert. In Baden-Württemberg, wo solche Studiengebühren bereits eingeführt wurden, ist ein dramatischer Rückgang von internationalen Studierenden zu verzeichnen. Der Effekt ist negativ für potentielle Studierende, aber auch für die NRW-Unis, die so weniger divers werden, Wissen, Kompetenzen und Weltoffenheit einbüßen

akduell: Einige Studierende durchleben bei der digitalen Anmeldung von Prüfungen viele Probleme. Zusätzlich verlieren sie bei den vielen unterschiedlichen Portalen – HISinOne, LSF, Moodle, Semesterapparat – die Übersicht. Wie wollt ihr hier für einen klaren Durchblick sorgen?

GHG: Die Probleme fangen schon damit an, dass die Studierenden nicht zeitnah informiert werden, sondern teilweise erst während der Anmeldephase über Änderungen informiert werden. Außerdem muss bei großen Veränderungen des Systems eine funktionierende Übergangslösung bestehen, die bei eventuellen Problemen Studierende davor schützt, die Prüfung nicht wahrnehmen zu können. Die Vielfalt der Portale ist ein weiteres Problem, das langfristig angegangen werden muss.

akduell: Viele Studierende der UDE pendeln aus den umliegenden Städten zu den Campussen. Essen und Duisburg gelten nicht als Wohlfühloasen, die Studierendenwohnheime sind teuer. Was plant ihr um die Campusse und Städte für die Studierenden als Lebensraum attraktiver zu machen?

GHG: Wir wollen eine grüne Bleibeuni mit Aufenthaltsqualität! Die Wohnheimmieten sollen nicht noch höher liegen als die von regulären Wohnungen. Wir wollen Wasserspender und studentische Freiräume an allen Campussen sowie einen besseren Ausbau des WLANs. Wir wollen ein besseres veganes Angebot in Cafeterien und Mensen. Wir wollen mehr und bessere Fahrradwege und schnelleren Fortschritt beim Radschnellweg Ruhr. Wir wollen eine Uni, die die Studierenden ernst nimmt und ihnen Raum zur Mitgestaltung gibt.

akduell: Mit nextbike und Kulturticket wurden Zusatzangebote für Studierende geschaffen. Der Finanzhaushalt wird dadurch stärker beansprucht, eine Erhöhung der AStA-Beiträge scheint nur noch Formsache. Wohin soll die Reise gehen: Ein möglichst breites Angebot oder ein niedriger AStA-Beitrag ohne zusätzlichen Schnickschnack?

GHG: Der Studierendenschaftsbeitrag finanziert Sozial- und die Rechtsberatung, sowie den Härtefallausschuss. Die Zusatzangebote sind wichtige Ergänzungen in den Bereichen Mobilität und Kultur, die auch zur Unterstützung von Studierenden mit weniger Geld gedacht sind. Darüber hinaus wollen wir Kultur am Campus und eine starke Interessenvertretung. Wir wollen eine starke politische Vertretung und keinen Service-AStA. Mit einer kleinen Erhöhung nähern wir uns nur dem normalen Beitrag anderer Unis an.