Im Interview: Internationale Liste

Vom 27. November bis zum 1. Dezember wird an der Universität Duisburg-Essen das neue Studierendenparlament gewählt. Im Interview erklärt die Internationale Liste (IL), was sie in der nächsten Wahlperiode plant und umsetzen möchte.

akduell: Das Ruhrgebiet ist die Hochburg des Pendelns. Das Semesterticket auf dem Smartphone sorgt für Frust, Parkplätze an den Campussen sind rar, Fahrrad-Schnellwege längst nicht Realität. Was plant ihr für die Studierenden in Sachen Mobilität zu tun?

IL: Die Internationale Liste plant für die pendelnden Studierenden zwischen beiden Campi die Optimierung des Schuttlbusses. Außerdem sehen wir unsere Aufgabe darin dafür zu kämpfen, dass das Ticket wieder zurück auf die Chipkarte kommt. Parkplätze sind tatsächlich rar, aber mit Blick auf einen ökologischen Aspekt, sollten die Studierenden öffentliche Verkehrsmittel nutzen und vor allem im Sommer das großartige Angebot von Nextbike. Für Studierende, die nicht anders als mit dem Auto zu Uni kommen können, muss dennoch die Parkplatzsituation verbessert werden.

akduell: Diszipliniertes Lernen steht dem Wunsch gegenüber das Studium frei und flexibel zu gestalten. Viele Studierende arbeiten in bis zu drei Jobs. NRW-Wissenschaftsministerin Pfeiffer-Poensgen plant die Einführung der Anwesenheitspflicht für Universitäten wieder zu ermöglichen. Ist das noch zeitgemäß?

IL: Die Anwesenheitspflicht gehört in ein vergangenes Zeitalter. Eine progressive Sicht wäre es anzuerkennen, dass Studierende mündige Bürger*innen sind, die auch selbstbestimmt lernen. Nicht jede*r kann es sich leisten jede Veranstaltung zu besuchen, da auch das Studium finanziert werden muss und man eventuell einer Arbeit nachgehen muss. Und wenn man ganz ehrlich ist, dann sind manche Veranstaltungen auch einfach sterbenslangweilig. Wir wollen nicht von der CDU und der FDP zur Anwesenheit gezwungen werden, sondern selbstbestimmt über unser Studium bestimmen!

akduell: Die Landesregierung will Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer*innen einführen, mit dem Ziel Personalschlüssel, Qualität des Studiums und Ausfinanzierung der Hochschulen zu verbessern. An der UDE studieren 7.478 Menschen aus Nicht-EU-Ländern (Stand WS 2016/17). Wie werdet ihr euch dazu im StuPa verhalten?

IL: Die ersten, die die Studiengebühren für Nicht-Eu-Bürger*innen einführten waren Schwarz/Grün in BaWü. Dies haben sich Schwarz/Gelb in NRW zum Vorbild genommen. Dieses Konzept der Studiengebühren ist zutiefst rassistisch und schränkt auch die Attraktivität der Universität für internationale Studierende ein. Wir sind bedingungslos solidarisch mit den Protesten und sind selbst aktiver Bestandteil dieser. Sich bei Studierenden das Geld für die Ausfinanzierung der Universitäten zu holen (in BaWü sind diese nicht Zweckgebunden und fließen somit nicht in Universitäten, sondern werden zum Stopfen der Haushaltslöscher verwendet) ist schlichtweg schändlich! Wir verteidigen die Parole: No border, no nation, free education!

akduell: Einige Studierende durchleben bei der digitalen Anmeldung von Prüfungen viele Probleme. Zusätzlich verlieren sie bei den vielen unterschiedlichen Portalen – HISinOne, LSF, Moodle, Semesterapparat – die Übersicht. Wie wollt ihr hier für einen klaren Durchblick sorgen?

IL: Dass es mehrere Portale gibt ist bewusst so. Wenn zeitgleich mehrere tausend Studierenden auf EIN Portal zugreifen würden, würden die Server zusammenbrechen. Die Aufgabe der Studierendenschaft liegt darin, den Studierenden in Zusammenarbeit mit den Fachschaften die Portale so gut wie möglich zu erklären und Informationsveranstaltungen durchzuführen.

akduell: Viele Studierende der UDE pendeln aus den umliegenden Städten zu den Campussen. Essen und Duisburg gelten nicht als Wohlfühloasen, die Studierendenwohnheime sind teuer. Was plant ihr um die Campusse und Städte für die Studierenden als Lebensraum attraktiver zu machen?

IL: Die internationale Liste weißt die akduell darauf hin, dass städteplanerische Maßnahmen nicht zum Kompetenzbereich einer Studierendenvertretung gehören. Trotzdem sucht unsere Liste das Gespräch mit dem Studierendenwerk Duisburg-Essen um z.B. preiswertere Wohnheimplätze realisieren zu können. Außerdem kämpfen wir weiterhin für mehr gesellschaftliche, wie universitäre Freiräume.

akduell: Mit nextbike und Kulturticket wurden Zusatzangebote für Studierende geschaffen. Der Finanzhaushalt wird dadurch stärker beansprucht, eine Erhöhung der AStA-Beiträge scheint nur noch Formsache. Wohin soll die Reise gehen: Ein möglichst breites Angebot oder ein niedriger AStA-Beitrag ohne zusätzlichen Schnickschnack?

IL: Die internationale Liste setzt sich für ein kritisches Hinterfragen der Ausgabenpolitik bisheriger Asten ein. Unter den von der GHG und LiLi geführten Asten kam es lange Jahre zu einer massiven Verschwendung von Geldern der Studierendenschaft. Es gibt zahlreiche Beispiele in denen GHG-Asten der Universität Duisburg-Essen antideutsche Veranstaltungen und Projekte finanziert haben, die hauptsächlich von einem sehr kleinen, immer gleichen Personenkreis besucht wurden, jedoch von der gesamten Studierendenschaft mitfinanziert werden mussten. Daher wird die Internationale Liste einer weiteren Erhöhung des Studierendenbeitrags nicht zustimmen können