Im Interview: Juso Hochschulgruppe

Die Juso Hochschulgruppe (Jusos) tritt in diesem Jahr mit 19 Kandidat*innen zur Wahl an. (Bild: Jusos)

Vom 27. November bis zum 1. Dezember wird an der Universität Duisburg-Essen das neue Studierendenparlament gewählt. Im Interview erklärt die Juso Hochschulgruppe (Jusos), was sie in der nächsten Wahlperiode plant und umsetzen möchte.

akduell: Das Ruhrgebiet ist die Hochburg des Pendelns. Das Semesterticket auf dem Smartphone sorgt für Frust, Parkplätze an den Campussen sind rar, Fahrrad-Schnellwege längst nicht Realität. Was plant ihr für die Studierenden in Sachen Mobilität zu tun?

Jusos: Wir werden uns dafür einsetzen, das Semesterticket wieder auf den Studierendenausweis zu bekommen. Der Status quo ist nicht mehr länger tragbar“, betont Pascal Winter. Sowohl die Zusammenarbeit mit Verkehrsgesellschaften als auch Infrastrukturprojekte sind allerdings kommunale Aufgaben. Hierauf hat das Studierendenparlament leider nur wenig bis gar keinen Einfluss.

akduell: Diszipliniertes Lernen steht dem Wunsch gegenüber das Studium frei und flexibel zu gestalten. Viele Studierende arbeiten in bis zu drei Jobs. NRW-Wissenschaftsministerin Pfeiffer-Poensgen plant die Einführung der Anwesenheitspflicht für Universitäten wieder zu ermöglichen. Ist das noch zeitgemäß?

Jusos: Wir als Juso Hochschulgruppe setzen uns entschieden gegen die Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht ein! In Zeiten, in denen BAföG längst nicht mehr zum Leben reicht und einer oder mehrere Nebenjobs die Regel sind, benachteiligt eine Anwesenheitspflicht explizit finanziell schwächere Studierende“, so Nadia Al Attar. Des Weiteren wird familienfreundliches Studieren ein Ding der Unmöglichkeit und Studierende mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen bekommen unnötig Steine in den Weg gelegt.

akduell: Die Landesregierung will Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer*innen einführen, mit dem Ziel Personalschlüssel, Qualität des Studiums und Ausfinanzierung der Hochschulen zu verbessern. An der UDE studieren 7.478 Menschen aus Nicht-EU-Ländern (Stand WS 2016/17). Wie werdet ihr euch dazu im StuPa verhalten?

Jusos: Der Grundsatz “gute und kostenlose Bildung für alle” gilt selbstverständlich auch für Nicht-EU-Ausländer. Wohin eine solche Politik andernfalls führt, sieht man aktuell schon am Negativbeispiel Baden-Württemberg, zahllose Studierende mussten die Universitäten durch die horrenden Gebühren verlassen. “Es geht um nicht weniger als knapp 7.500 unserer KommilitonInnen, denen ein Studium verwehrt werden würde”, betont Nadia Al Attar. Die Juso Hochschulgruppe ist klar gegen Studiengebühren jeglicher Art.

akduell: Einige Studierende durchleben bei der digitalen Anmeldung von Prüfungen viele Probleme. Zusätzlich verlieren sie bei den vielen unterschiedlichen Portalen – HISinOne, LSF, Moodle, Semesterapparat – die Übersicht. Wie wollt ihr hier für einen klaren Durchblick sorgen?

Jusos: Die jüngste Klausur-Anmeldephase zeigte anschaulich einige der bestehenden Probleme auf, die wir aktuell an der Uni mit den digitalen Tools haben. Mittlerweile ist es ein richtiges Kuddelmuddel an Portalen und Programmen. Das viele hier den Durchblick verlieren ist nur zu verständlich. So schlagen wir Jusos vor, die Uni dazu anzuregen, veraltete Supports auf der Website zu überarbeiten und das Angebot an qualifizierten AnsprechpartnerInnen vor Ort auszubauen.

akduell: Viele Studierende der UDE pendeln aus den umliegenden Städten zu den Campussen. Essen und Duisburg gelten nicht als Wohlfühloasen, die Studierendenwohnheime sind teuer. Was plant ihr um die Campusse und Städte für die Studierenden als Lebensraum attraktiver zu machen?

Jusos: In vielen Bereichen kann das Ruhrgebiet leider nicht mit dem Wohlfühlfaktor der klassischen Universitätsstädte punkten. Dies sollte aber keine Ausrede, sondern vielmehr ein Ansporn sein. Am eigenen Campus können wir nämlich einiges bewegen. Der AStA verfügt schließlich über eine breite Rücklage von fast zweieinhalb Millionen Euro. Damit sollten wir dringend nötige Investitionen, wie die Renovierung des AStA-Kellers, in Angriff nehmen.

akduell: Mit nextbike und Kulturticket wurden Zusatzangebote für Studierende geschaffen. Der Finanzhaushalt wird dadurch stärker beansprucht, eine Erhöhung der AStA-Beiträge scheint nur noch Formsache. Wohin soll die Reise gehen: Ein möglichst breites Angebot oder ein niedriger AStA-Beitrag ohne zusätzlichen Schnickschnack?

Jusos: Wir haben uns immer für ein möglichst breites Angebot für Studierende eingesetzt. Für uns steht jedoch fest: “Der AStA-Beitrag darf einerseits nicht unkontrolliert steigen, andererseits sind Verluste von rund 240.000 €, die dem AStA im kommenden Semester drohen, kein haltbarer Zustand”, stellt Pascal Winter fest. Deshalb haben wir einen nachhaltigen Haushaltsplan für die kommenden Semester erstellt, der beide Seiten berücksichtigt, Beitragsstabilität und einen ausgeglichenen Haushalt.