Prestige – koste es, was es wolle

Mit dem Landesarchiv steht einer der teuersten Bauskandale NRWs direkt in Duisburg. (Foto: fro)

Seit Jahren versucht die Stadt Duisburg, ihr graues Schmuddelimage loszuwerden. Stattdessen will sie zu einem leuchtenden Konsumziel in der Region werden. Dabei geht das Streben nach Prestige an den Belangen und Interessen der Bürger*innen vorbei, finden Aktivist*innen.

Mercator-Quartier, Vinzenz-Viertel und das seit Jahren stillliegende Großprojekt am Innenhafen mit dem Titel The Curve: Die in Duisburgs Altstadt und Umgebung brachliegenden Flächen sollen in den kommenden Jahren bebaut werden. Vor allem Hotels, Büroflächen und Wohnungen sollen dort entstehen. Focus, der Projektentwickler des geplanten Vinzenz-Viertels im Dellviertel, jubilierte bereits, dass dort hochwertige Eigentumswohnungen entstehen würden. „Leider unterscheidet sich die Idee, wie eine solche ‚Aufwertung‘ auszusehen hat, meistens zwischen Lokalpolitik und Bewohner*innen,“ sagt Anton Faller von der Initiative DU It Yourself über städtische Politik.

Prestige um jeden Preis

„Leuchtturmprojekte mit strahlender Außenwirkung gab es wenige“, resümiert Faller auf Duisburg bezogen. Abgesehen vom Landschaftspark Nord zögen lediglich die Landmarke Tiger and Turtle und der Innenhafen Aufmerksamkeit auf die Stadt. Vielmehr würden Bau- und Investitionsskandale die Profilierungsversuche der Stadt überschatten. So steht mit dem nordrhein-westfälischen Landesarchiv einer der teuersten Bauskandale des Landes am Innenhafen. Statt der zuvor veranschlagten 30 Millionen kostete der Bau letztlich fast 200 Millionen Euro.

„Die Lokalpolitiker*innen orientieren sich an Zahlen und an einem interregionalen Schönheitswettbewerb mit den ‚Einkaufsstädten‘ Essen, Düsseldorf und Oberhausen“, so Faller weiter. Mehr Kaufkraft nach Duisburg locken – das war auch das erklärte Ziel der Befürworter*innen des geplanten Designer Outlet Centers (DOC) unweit des ehemaligen Duisburger Güterbahnhofs. Ein Bürgerentscheid im September unterband jedoch den Willen des Stadtrates. Doch sollten Bürger*innen besser direkt und von Anfang an in die Stadtgestaltung involviert werden, findet auch Faller. „Aber das Ärgerliche ist, dass entweder nur nebensächliche Projekte mitgestaltet werden können oder die Wünsche der Bewohner*nnen registriert werden, um in nächster Instanz wieder ignoriert zu werden.“ Politische Kräfte versuchen die Mitbestimmung aber manchmal zu verhindern. So möchte Fredy Wagemeyer (CDU) auf die Projekt- und Ideenwerkstatt zur Umgestaltung des Kantparks verzichten und die Stadt alleine planen lassen. Die Partizipationsmöglichkeiten für Bürger*innen würden damit wegfallen.

Prinzipiell sieht Faller Projekte wie das DOC kritisch: „Letztlich bemisst sich die Lebensqualität einer Stadt weniger an Leuchtturmprojekten oder Malls als an einem ausgewogenen Zusammenleben, welches sich maßgebend aus der Anwohner*innenschaft entwickelt.“ Damit das gelingen kann, müsse jedoch soziokulturellem Freiraum finanzielle Unterstützung zuteil und ausreichend Entfaltungsmöglichkeiten gegeben werden. Dass die Stadt Duisburg diesbezüglich nicht ambitioniert ist, zeigt sich am Beispiel der Alten Feuerwache in Hochfeld. Weil sie keine Mühen unternahm, in dem Gebäude ein soziokulturelles Zentrum zu etablieren, muss sie nun die von der EU bereitgestellten Fördergelder in Höhe von 2,1 Millionen Euro zurückzahlen.

Gentrifizierung – demnächst auch in deiner Nähe?

Mit der ‚Aufwertung‘ von Vierteln wünscht sich auch die Stadt Duisburg den Zuzug von solventen Mieter*innen und vor allem jedoch Eigentümer*innen. Insgesamt könne man aber noch nicht von Gentrifizierung sprechen, meint Faller: „Dafür baut die Stadtpolitik zu viel Mist.“ Die Mieten steigen zwar auch in Duisburg langsam aber kontinuierlich, jedoch sind sie noch immer weit unter dem Bundesdurchschnitt. So kostet eine 60-Quadratmeter-Wohnung laut Mietspiegel im Bundesdurchschnitt 7,32 Euro pro Quadratmeter, während man in Duisburg durchschnittlich 5,65 Euro zahlt.

Nichtsdestotrotz sei gut vorstellbar, dass manchen Stadtteilen ein Gentrifizierungsprozess bevorsteht. Hochfeld sei ein prädestiniertes Beispiel, findet Faller. „Zu Beginn der niedrige Mietspiegel trotz zentraler Lage, der ‚Zukunftsstadtteil‘ gewinnt an Beliebtheit, wird von Kreativen und Studierenden auserkoren und von AnlegerInnen erkannt,“ zählt er als Gründe dafür auf.