Purer Zynismus

Nicht EU-Bürger*innen: Begraben unter Schulden und weniger Zugang zur Bildung. (Foto: dpe)

Ein Kommentar von Dennis Pesch

Im Frühjahr diesen Jahres hat die Landesregierung in Baden-Württemberg Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger*innen eingeführt. Nun sind die ersten Studierenden-Zahlen eingetroffen und das Land erlebt einen Rückgang von 26 Prozent der internationalen Studierenden. Die Debatte dreht sich nach der Veröffentlichung aber weniger darum, ob es sich überhaupt um eine sinnvolle Maßnahme handelt, sondern vor allem um die Qualität der Bewerbungen und die Angst um die Internationalisierug von Hochschulen.

Das ist zynisch, denn mit den Betroffenen wird kaum gesprochen. Eher entsteht der Eindruck, dass sich das Land und die Hochschulen über das Image und die Finanzen des Landes sorgen. Dabei sollte es zu allerletzt darum gehen. Bildung muss für alle unabhängig von der Herkunft gleichberechtigt zugänglich sein. Mit Konzepten wie Studiengebühren wird das jedoch untergraben. Auch Ausnahme-Regelungen – wie in NRW geplant – werden nur wenig Abhilfe schaffen. Die deutsche Bürokratie ist bei Menschen mit Migrationshintergrund besonders repressiv, Rassismus gehört für viele Migrant*innen zur Tagesordnung, ob nun in den Institutionen oder auf der Suche nach Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Das zeigen diverse Studien.

Gar nicht ausmalen möchte man sich was passiert, wenn die immer andauernde kapitalistische Krise sich in den kommenden Jahren weiter verschärft. Schon heute arbeiten viele Studierende in prekären Beschäftigungen, haben bis zu drei Jobs, um ein Studium zu finanzieren. Nicht wenige stürzen diese Verhältnisse in die Depression oder ins Burn-Out. Ein guter Start ins Leben sieht so nicht aus. Für internationale Studierende wird dann noch einer drauf gesetzt und am meisten leiden werden darunter die, die wenige finanzielle Möglichkeiten haben. Die Studierenden werden teilweise hohe Schulden aufnehmen müssen. Das ist ohnehin eines der größten Hindernisse, auch für Studierende aus nicht-akademischen Haushalten, ein Studium überhaupt aufzunehmen.

Und dass am Ende die Hochschulen und später die Qualität der Forschung leiden wird, setzt dem ganzen nur die Krone auf. Ein politisch verantwortbares, soziales und zukunftsfähiges Konzept wie Bildung organisiert wird, sieht so jedenfalls nicht aus. Dabei haben wir noch nicht mal darüber gesprochen, wie schlecht organisiert das Studien-System auch ohne Studiengebühren schon ist.