Semesterticket sorgt für Frust

Smartphone und Papier kommt bei vielen nicht gut an. (Foto: dav)

„Nervt total!“; „Ständig Fehlermeldung …“; „Zurück zum All-in-One Ticket sage ich!“ – die Ticketumstellung stößt bei den meisten Studierenden der Universität Duisburg-Essen (UDE) auf Ablehnung. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), der als Vertragspartner für das Ticket bei der Umstellung schlicht übergangen wurde, versucht deswegen bereits seit Monaten die Verkehrsbetriebe und Hochschulverwaltung zur Rückkehr zum Ticket auf dem Studierendenausweis zu bewegen.

Ständige Verfügbarkeit, einfacher Ersatz und Wegfall der Bearbeitungsgebühr bei Verlust – mit diesen Vorteilen pries Ludwig Ciesielski, Leiter des Einschreibungs- und Prüfungswesens der UDE, die Nutzung von Papier und Smartphone im April an (akduell berichtete). Viele Studierende wünschen sich trotzdem die All-in-One Lösung, also das Semesterticket auf dem Chip des Studierendenausweises, zurück.

Viele Beschwerden

In der Facebook-Gruppe Universität Duisburg-Essen wurde das Ticket auf Nachfrage der akduell breit diskutiert. Während Nutzerin Birthy K. schreibt, dass der „QR-Code [der] Smartphone-Version von den Geräten der Kontrolleure erkannt wird“, beschweren sich die meisten Studierenden über diverse Probleme. „Bei vielen scheitert es schon bei der Registrierung“, merkt Sandra S. an. Sie bemängelt, dass man den Namen im Nachhinein nicht mehr ändern kann, wenn man sich vertippt hat. Außerdem sei die Seite nur in deutscher Sprache verfügbar. Auch Marcel R. hat bisher schlechte Erfahrungen gemacht. Unterwegs mit einer Mitstudentin hatte diese keinen Handyempfang im Tunnel – der Kontrolleur schrieb sie auf. Bei Victoria A. gab es beim Lesen des QR-Codes im Bus Probleme. Mitunter stehe sie „minutenlang an dem Lesegerät am Eingang und ärgere damit alle anderen Fahrgäste“.

Weiter bemängeln Studierende, dass bei ihnen der Abruf des Tickets über die MyUDE-App generell nicht funktioniere und das Herunterladen wenig intuitiv sei, man ständig auf den Füllstand seines Handyakkus achten müsse, die App nicht mit allen Betriebssystemen kompatibel sei und die Papierform schnell zerknittere oder nass werde. „Damit es nicht schon nach einer Woche kaputt geht, haben viele von uns das laminiert. Jetzt erfahren wir, dass man es nicht machen darf. Eine Mitstudentin muss jetzt eine Strafe deswegen zahlen“, schreibt Nutzerin Victoria. Zudem sind Studierende mit Windows Phone oder ohne Smartphone gänzlich auf die unpraktische Papierversion angewiesen.

AStA will altes Ticket zurück

„Auch wir sehen eine Verschlechterung in der Umstellung. Das zeigen ja auch die zahlreichen Problemstellungen“, erklärt AStA-Vorsitzender Marcus Lamprecht. In diesem Monat soll es deswegen ein Gespräch mit allen Parteien, also Verkehrsbetrieben und Hochschulverwaltung, geben, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Große Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr zum alten Ticketmodell hat Lamprecht jedoch nicht.

Im Vertrag zwischen den Verkehrsbetrieben und dem AStA steht: „Die Merkmale der Fahrtberechtigungsbescheinigung werden zwischen VRR AöR [Anstalt öffentlichen Rechts, Anm. d. Red.], dem betreffenden Verkehrsunternehmen, der VS [verfassten Studierendenschaft, Anm. d. Red.] und unter Einbeziehung der Hochschulverwaltung einvernehmlich geregelt.“ Dass Hochschulverwaltung und VRR ohne Zustimmung des AStAs das Ticket umgestellt haben, findet Lamprecht abenteuerlich und kommentiert: „Sicherlich hat der VRR den Vertrag in gewisser Weise ignoriert. Wir könnten jetzt natürlich versuchen, den Vertrag aufzulösen, aber dann gäbe es gar kein Ticket mehr. Das ist auf jeden Fall nicht wünschenswert.“

Gegenüber der akduell hatte Einschreibungswesen-Leiter Ciesielski im April betont, es gäbe technische Probleme mit dem Hintergrundsystem beim VRR – einer der Gründe für den Einsatz von Smartphone und Papier. Lamprecht bestreitet das und sagt: „Strukturelle Probleme hat es nicht gegeben. Das ist ein Mythos, den Herr Ciesielski ins Feld führt, um eine vermeintliche Verbesserung zu begründen.“ Er hält ein relativ teures Software-Update für die Ursache, welches nötig gewesen wäre, um weiterhin als Hochschule die Tickets auf den Ausweis drucken zu können. „Diese Kosten wurden wohl gescheut. Und jetzt schieben sich VRR und Hochschulverwaltung gegenseitig die Verantwortung zu, wer die treibende Kraft gewesen sein soll, zeigen sich aber nicht daran interessiert, etwas zu ändern.“