Sexismus mit 16.000 mBit pro Sekunde

Flyer aus einer Kampagne von Student Mobile – zusammen mit der Telekom (Foto: lenz).

Ein Kommentar von Lorenza Kaib

Sie ist und bleibt Magenta, ob staatlich oder privat: Die Telekom. Und dass Magenta hip ist und sogar zum Aufstieg verhelfen kann, ist spätestens durch das erneuerte Corporate Design der FDP klar geworden – Stichwort #germanmut. Oder #germanmood? Doch das, was da hinter der magentafarbenen Fassade steckt, macht nicht immer gute Laune.

Die Telekom gibt sich innovativ, zeigt auf ihren Plakaten etwa Patchwork-Familien, Transvestiten (?) und Mutter-Mutter-Kind-Familien zusammen mit dem Slogan „Für alle, die Familie sind“. „Fühl dich verbunden in ganz Europa“ ist ein weiteres ihrer Anliegen, das von den Litfaßsäulen aus an uns herangetragen wird.

Dem gegenüber steht sexistische Werbung des Telefon- und Internetanbieters, die seit ein paar Wochen auch in direkter Nähe der Uni Duisburg-Essen hängt. Auf den Plakaten werden Angebote speziell für Studierende beworben. An den heterosexuellen Mann sollen sie durch junge Frauen gebracht werden, die dem hiesigen Schönheitsstandard entsprechen.

Aber halt, wer will denn da gleich von Sexismus sprechen? Das sind doch selbst Studentinnen, die sich einfach nur über ihr unglaublich günstiges Internet so sehr freuen, dass sie spontan eine Party feiern! Klar, dass sie eine Hochschule besuchen sieht man an ihren kurzen Schuluniform-artigen Röcken und den College-mäßigen Cardigans. Der Formel günstige Internetangebote und junge, wenig bekleidete Frauen bedient sich auch Student Mobile. Der in Bochum, Köln und Münster ansässige „Shop für Schüler, Studenten, Azubis und junge Leute“ bewirbt so mittels Flyern auch an den UDE Campussen Smartphones und Handyverträge – in Zusammenarbeit mit der Telekom, aber auch anderen Anbietern wie Vodafone.

Ein weiteres Feld, das die Telekom fleißig mutbeackert ist die Zementierung von Rollenbildern. Jungs und Männer gamen, während Mädels und Frauen einfach nur quatschen wollen – glaubt man den Werbebildern

Ein weiteres grenzwertiges Beispiel: Hier wird die Werbung im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Rücken einer Frau ausgetragen (Foto: lenz).

Einen Shitstorm wird sich die Telekom mit ihrer aktuellen Kampagne wohl kaum einhandeln, zu sehr befindet sich das Dargestellte in einer Grauzone. Die abgebildeten Frauen sind nicht halb- oder ganz nackt, sie räkeln sich auch nicht neben einer DSL-Buchse oder lecken lasziv ein Telefonkabel ab. Und man könnte immer noch argumentieren, sie stellten ja selbst Studierende dar und eigentlich gehe es darum.

Aber sind es nicht genau diese Grenzfälle, die den Betrachtenden das Gefühl geben, dass eigentlich alles okay ist – zumindest solange keine Brust raushängt oder ein Nipplegate droht? Doch Sexismus, sexualisierte Darstellungen von Frauen und ihr Einsatz als Dekoration beginnt nicht erst dort – er ist nur an extremen Beispielen auf den ersten Blick erkennbar. Bei sexistischer Werbung geht es nicht allein um die Reduktion der abgebildeten Person auf ihren – nackten – Körper, sondern um eine diskriminierende und herabwürdigende Darstellung. In Frankfurt ist dies ab dem 1.1.2018 verboten, Außenwerbung wird dann verstärkt auf diese Aspekte hin überprüft werden.