Vielfalt hat noch keinem geschadet

Vegane Vielfalt: Realität oder doch nur Theorie? (Foto: seg)

Die Tierrechtsorganisation People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) untersucht bei den Studierendenwerken das vegane Angebot in den Mensen und Cafeterien. Als eine von sechs erhielt auch das Studierendenwerk der Universität Duisburg-Essen (UDE) die Ehrung als „Vegan-freundlichste Mensa 2017“ – zum vierten Mal in Folge. Bei den Bewertungskriterien werden jedoch wichtige Aspekte außer Acht gelassen und auch die häufig zelebrierte Vielfalt ist mehr Schein als Sein.

PETA fragt unter anderem danach, ob täglich vegane Gerichte angeboten werden. Dabei geht es nicht nur um Hauptgerichte, sondern auch um Vor- und Nachspeisen und Snacks. Einen weiteren Punkt gibt es für das Anbieten von Pflanzendrinks zur Verfeinerung von Kaffeespezialitäten. Außerdem wird darauf geachtet, ob es Schulungen für die Mitarbeiter*innen gibt. „In der gastronomischen Ausbildung [kommen] pflanzliche Alternativprodukte wie Tofu und Co. teilweise gar nicht oder nur in der Theorie vor“, so PETA auf ihrer Internetseite. Zur Kriterienpalette gehören außerdem Aktionswochen in Mensen und Cafeterien. Nach Meinung der PETA-Organisation ist es unerlässlich, „die Vorteile bezüglich Gesundheit, Umweltschutz und Tierrechten sowie den Zusammenhang zwischen unserem Konsum und dem Welthunger zu erkennen“. Ein letzter Kritikpunkt ist, ob das Studierendenwerk ausreichend Werbung macht, um das Interesse am veganen Angebot zu steigern. Laut PETA erfüllt das Mensa-Essen der Universität Duisburg-Essen im besonderen Maße diese Prämissen.

Geschmacksfrage ungeklärt

Bewertet werden allerdings nur die Zutaten, eine Probe findet nicht statt. Warum sollten sich Fleischesser*innen für ein veganes Menü entscheiden, wenn es nicht schmeckt? „Da gibt es geschmacklich meiner Meinung nach eine 50/50 Chance, die aber auch auf alles andere zutrifft“, findet Rebekka, Studentin an der UDE. Bei der viel beworbenen Burgerwoche ist gerade mal einer der fünf angebotenen Burger vegan. Immerhin überzeugt das Gericht mit seinem Geschmack. „Der Falafel-Burger ist der absolute Renner, den essen auch die Fleischesser*innen gerne“, sagt Alina, ebenfalls Essener Studentin. Was aber tut man als Veganer*in, wenn einem die eine vegane Speise nicht zusagt? Ein*e Fleischesser*in hat in der Mensa hingegen mehrere Auswahlmöglichkeiten.

Von den täglich fünf Gerichten gibt es neben dem Salatbuffet jeweils ein einziges veganes Gericht, manchmal zusätzlich ein vegetarisches. In anderen Mensen sieht das anders aus. Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bietet auf drei Etagen sieben Gerichte an, von denen zwei vegetarisch und zwei vegan sind, hinzu kommt noch ein Buffet mit vegetarischen und veganen Speisen und zwei Salatbuffets. Hier wurden nur drei Sterne verliehen.

Unausgeglichenes Angebot

Hinzu komme, dass das vegane Gericht zwar nur 1,80 Euro koste, aber häufig nicht satt mache, weil die Portionen einfach zu klein seien, sagt Jonas, Student der UDE. „Oft bin ich dann im ersten Moment satt, habe aber eine Stunde später wieder riesen Hunger“, beklagt er. Wenn man noch ein oder zwei Beilagen dazu nehme, komme schnell eine schöne Summe zusammen, fügt er hinzu. Irgendwo hapert es also vielleicht auch an den Schulungen für die Mitarbeiter*innen. Entweder werden alternative Zubereitungsmöglichkeiten unzureichend vermittelt, oder das neu erlernte Wissen wird mangelhaft umgesetzt. Zum Beispiel besteht das vegane Brötchenangebot auch aus Wurst- und Käseimitaten, statt einer gesunden Alternative. Laut dem Studierendenwerk liegt der Grund für das unausgeglichene Angebot bei der Nachfrage. „Wir schauen was am meisten angenommen wird und am beliebtesten ist. Die Renner sind seit Jahren die gleichen, also Schnitzel und Burger zum Beispiel“, erklärt Johanne Peito, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation & Kultur des Studierendenwerks. Alle Beilagen würden dafür mittlerweile nur noch mit Pflanzenfett zubereitet.

Das Ziel sollte sein, das studentische Interesse an veganem Essen zu steigern und damit auch die Tier- und Umwelt zu schützen. Mehr tierproduktfreie Speisen leisten nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Vermeidung von tierischen Lebensmitteln zweifelhafter Herkunft, sondern auch zur CO2-, und vor allem zur Methan-Einsparung. Laut der Internetseite des Umweltbundesamt (UBA) „stellt [die Landwirtschaft] mit über 57 % die größte Emissionsquelle für Methan dar.“ Der Anteil werde noch zunehmen, denn „die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten steigt mit wachsendem Wohlstand in Schwellen- und Entwicklungsländer”, äußerte sich das UBA gegenüber dem Radiosender Deutsche Welle. Trotz der mittlerweile vierten Auszeichnung durch PETA, gibt es also noch erheblichen Verbesserungsbedarf.