Eine längere Sitzung

Eda und Lisa (Eda Vendetta und Itscoleslaw) wollen Mädchen* empowern und aufklären. (Foto: Kooperative Berlin GMbH)

Manche Themen werden im öffentlichen Diskurs gern von der Klobrille gewischt – nicht bei Auf Klo. Die Redakteur*innen des YouTube Kanals beschäftigen sich mit Themen wie Sexualität, Gender, Politik und Psyche. Das Format will in Themengebieten aufklären, die selten besprochen werden oder sogar tabuisiert sind. Dabei erntet der Kanal nicht nur positives Feedback, sondern oft auch dreiste Beleidigungen von einigen Nutzer*innen.

Die Medienproduktionsfirma Kooperative Berlin hat das Format für funk, das Jugendangebot von ARD und ZDF, entwickelt. In den Videos werden Gäste eingeladen, die dann mit den Moderatorinnen Eda und Lisa über verschiedene Themen sprechen. Das Besondere dabei ist, dass die Interviews an einem dafür eher ungewöhnlichen Ort stattfinden: auf der Toilette. „Das Klo als Interviewplatz soll das Klischee aufgreifen, dass Mädchen immer zu zweit aufs Klo gehen und das stille Örtchen ist der Raum, in dem man ungestört über alle wichtigen Themen sprechen und mit vorhandenen Klischees aufräumen kann“, schildert Maria Popov von der Kooperative Berlin. „Es sollen sich alle Personen angesprochen fühlen, die sich als weiblich identifizieren. Unser Ziel ist an erster Stelle, in Themengebieten aufzuklären. Unsere Sendung macht aber auch Spaß oder regt zum Nachdenken an“, erklärt sie weiter. Die Videos erscheinen in unregelmäßigen Abständen alle paar Tage und richten sich an Mädchen* im Alter zwischen 14 und 17. Zu den beliebtesten Videos zählen unter anderem: ‚Daran merkst du, dass du asexuell bist’ und ‚Periode: Lasst uns bluten. Hacks und Tipps mit Lu Likes’.

Dick und schön. Was dagegen?

In der ersten Folge, die am 29. September 2016 an den Start ging und noch von der YouTuberin Mai moderiert wurde, ist die queere Journalistin Hengameh bei Auf Klo zu Gast. Das Video dreht sich um das Thema Fat Shaming. Zum Beispiel beschwert sich der Gast darüber, dass auf die Aussage „Ich bin dick“ oft folge „Nein, du bist voll hübsch“. „So als würde das eine das andere ausschließen“, meint Hengameh. Im weiteren Verlauf des Gesprächs wird unter anderem auch über die Darstellung von übergewichtigen Menschen in den Medien gesprochen. „Dicke sind immer entweder lustig oder es wird sich über sie lustig gemacht. Aber ich bin ja lustig, weil ich lustig bin, nicht weil ich dick bin“, stellt Hengameh klar.

Fette Quallen und Delfine

Unter den Kommentaren finden sich zahllose negative Rückmeldungen, meistens unsachlich und weit unter der Gürtellinie. So meint User FernsehkritikTVkritikTV: „Doch, [Fettleibigkeit] spielt [im platonischen Umgang] eine Rolle. Nämlich die, dass wir als Normalgewichtige für die Verantwortungslosigkeit einiger fetter Quallen mehr an die Krankenkasse zahlen dürfen“. Positive Kommentare sind leider stark in der Unterzahl. Der Kanal reagiert aber auf viele Postings und argumentiert entweder dagegen, oder feuert – wenn es sich nicht um Kritik, sondern um plumpe Beleidigung handelt – mit Humor und Ironie zurück. User Neues Testament schreibt zum Beispiel: „Ich glaube ich gebe mir die Kugel. Schlimmer als Stalingrad“. Darauf kommentiert Auf Klo: „Darauf antworten wir mit Delfinen. Delfine sind intelligente Tiere. Deswegen sind sie freundlich, froh, süß und krass beliebt“. Darauf folgen mehrere Delfin-Emojis.

Auch bei einer der aktuellsten Folgen, ‚Non-Binary: Kein Mann & keine Frau!’, gibt es viel negatives Feedback, besonders von der antifeministischen Front – „meist von Menschen, die sich in ihrem Weltbild angegriffen fühlen. Da ist der Aufschrei natürlich groß bei denen, die noch nie davon gehört haben, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt“, erläutert Maria von der Kooperative Berlin. Positive Rückmeldung gebe es vor allem von jungen Mädchen* und Frauen*, die es wichtig finden, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die sonst selten die Gelegenheit dazu bekommen, sagt sie. Deshalb lässt sich der Kanal trotz mehrfacher Aufforderung seitens einiger Nutzer*innen nicht die Toilette runterspülen, sondern verstopft weiterhin die Rohre der Hater und bietet Interessierten unterhaltsame und informative Klolektüre.