Grüne Hochschulgruppe bleibt stabil

Eine grün-rot-rote Mehrheit hat im StuPa nach den Wahlen nun die Hosen an. (Foto: BRIT)

Die Wahl scheint wirklich eine Qual zu sein, wenn man sich die diesjährige Wahlbeteiligung für das neue Studierendenparlament (StuPa) von gerade einmal 7,06 Prozent anschaut. Nichtsdestotrotz haben 2.987 Studierende der Universität Duisburg-Essen abgestimmt. Eine grün-rot-rote Mehrheit sitzt fortan in der Studierendenvertretung. Wir haben uns bei der Wahlauszählung die Nacht um die Ohren geschlagen.

Samstag, 1.40 Uhr: Der Wahlausschuss und die Wahlhelfer*innen klappen erschöpft die Laptops zu und knipsen das Licht im Seminarraum über der Cafeteria am Essener Campus aus. Der Feierabend wird erstaunlich früh eingeläutet: Im vergangenen Jahr dauerte die Wahlauszählung noch bis 4 Uhr morgens. Weniger abgearbeitet fühlt sich Jennifer Gantenberg, Vorsitzende des Wahlausschusses, dadurch trotzdem nicht. Denn wie es der Zufall will, passiert Unerwartetes: Der stellvertretende Vorsitzende wird krank und sie bleibt dadurch die einzige Ansprechpartnerin für die Wahlhelfer*innen. „Wegen des neuen Systems war ich dann anfangs ziemlich nervös“, sagt sie. Anstatt wie in den vergangenen Jahren Wahlurnen gleichzeitig auszuzählen, nahmen sich die Helfer*innen Urne für Urne vor. Abgesehen von einem sich verselbständigenden mysteriösen Lichtschalter, verläuft die Auszählung unproblematisch. „Ich war froh, dass alles glatt gelaufen ist und es keine extremen Stimmabweichungen gab“, sagt Jennifer.

Mit 2.995 Stimmen hat der Wahlausschuss jedoch acht zu viel ausgezählt als bei der Anzahl der ausgegebenen Wahlzettel dokumentiert wurde. Der Grund: Während der Wahlzettelabgabe wurden bei der Eingabe ins System acht Stimmen nicht abgehakt, wodurch sie nicht in den ausgegebenen dokumentierten Wahlzetteln aufgeführt worden sind. „Sowas kann passieren. Unserer Helfer*innen sind schließlich auch nur Menschen. Das Ergebnis wurde dadurch nicht entscheidend beeinflusst“, so Jennifer.

Letzte Urne: GHG atmet auf

Insbesondere nach der Auszählung der Wahlurne an der Bibliothek in Essen steigt die Anspannung unter den anwesenden Vertreter*innen der Listen. „Da die Internationale Liste dort enorm stark war, waren alle darauf gespannt, wie sehr das Gesamtergebnis dadurch beeinflusst wird“, sagt Amanda Steinhaus, die für die GHG kandidierte. Fünf anstrengende Tage Wahlkampf liegen hinter ihr. In der Praxis bedeutet das stundenlanges Plakatieren, Flyerverteilung in den Hörsälen zu unmenschlichen Uhrzeiten und der Austausch mit Studierenden in der Kälte. Als die Wahlvorsitzende ans Ende des Seminarraums tritt, um das Endergebnis zu verkünden, zeigt sich, dass sich der Aufwand für sie gelohnt hat. Die Reaktionen der Listen-Vertreter*innen sind ganz unterschiedlich: Die GHG nutzt das Sektempfängnis des Trans*Inter*SchwuBiLe-Referat direkt, um auf den Wahlerfolg anzustoßen. Mit neun Sitzen gewinnt die stärkste Liste einen dazu. Währenddessen verlassen die Kandidat*innen der Internationalen Liste beinahe fluchtartig den Raum und äußern sich als zweitstärkste Liste dazu bis heute nicht gegenüber der akduell. Insbesondere bei den Medizinstudierenden konnten die Jusos punkten und holten am Klinikum die meisten Stimmen. Ihr Ergebnis haben sie um drei auf nunmehr sechs Sitze verdoppelt. Carlotta Kühnemann kandidierte für die LiLi und erhält mit 97 Stimmen den höchsten listenübergreifenden Stimmenanteil. Auch ihre Liste nimmt im Vergleich zum Vorjahr zu und ist fortan mit sechs Sitzen vertreten.

Vertreter*innen der anderen Listen sind persönlich nicht anwesend und haben in dieser Legislaturperiode abgebaut. Die Liberale Hochschulgruppe und der Ring Christlich-Demokratischer Studenten haben mit drei beziehungsweise zwei Sitzen an parlamentarischer Repräsentation verloren. Die Unabhängigen Demokraten können erneut drei Abgeordnete entsenden.

Ein Blick in die Zukunft

Laut eigenen Angaben habe die GHG die Studierenden insbesondere mit dem Kulturticket überzeugen können. Im kommenden Jahr plant auch auf die Stadt Duisburg auszuweiten. Als nächstes möchte man Projekte wie die Weiterentwicklung der Universität als Bleibeuni realisieren. Die Kooperation mit anderen ASten soll im Einsatz gegen geplante Studiengebühren sowie gegen andere rückwärts gerichtete Projekte der Landesregierung NRW helfen. Einen konkreten Termin für die konstituierende StuPa-Sitzung gibt es derzeit noch nicht. Nach aktuellen Planungen des Wahlausschusses wird diese voraussichtlich zwischen dem 20. und 22. Dezember stattfinden. Erste Spekulationen über mögliche Koalitionen der Listen gibt es trotzdem schon. „Wir können auf eine gute Zusammenarbeit mit der Linken Liste und den Jusos zurückblicken – sowohl im AStA als auch in der Opposition“, sagt Amanda. Deswegen wolle man vor allem mit diesen Listen das Gespräch suchen.