Immer wieder Stress im Wohnheim

Internationale Studierende üben Kritik am Studierendenwerk (Symbolbild: caro)

Mehr als die Hälfte der Mieter*innen in den Wohnheimen des Studierendenwerks Essen-Duisburg sind internationale Studierende.
Die Kritik, dass internationale und deutsche Studierende oftmals getrennt voneinander untergebracht würden, hält an. Aber auch die Mieterhöhung vom März sorgt noch immer für Unmut. Wir haben mit zwei internationalen Studierenden und dem Studierendenwerk über die Situation gesprochen.

Als „unbewohnbar” bezeichnet Enis* das Wohnheim in der Duisburger Straße 445 in Mülheim an der Ruhr. Er habe den Eindruck, es sei „das schlimmste“, was es gebe. „Ein Zusammenleben gab es nicht, jeder war in seinem Zimmer. Und das war nicht nur in meiner WG so“, erklärt er. Auch Fiora*, die Anfang Oktober in das Wohnheim einzog, berichtet von alter, dreckiger Einrichtung, Küchenfenstern, die zum Wohnheimflur zeigen und mangelnder Orientierungs- und Vermittlungshilfe bei Problemen. „Since I cannot bear to live here anymore, I found another place, but I will still have to pay for the dorm until March“, erklärt sie. Beide kritisieren, dass man keinen Anschluss an deutsche Studierende gehabt hätte.

Das Studierendenwerk erwidert, es gebe „mehr Kritik von den Deutschen, dass sie nicht mit Programmstudierenden zusammen wohnen möchten“, außerdem sei „die Lebensweise auch oft anders“, so Michaela Knapp, Bereichsleiterin Wohnen. Pressesprecherin Johanne Peito fügt hinzu, dies liege an der hohen Fluktuation. Zudem meldeten sich nur wenige internationale Studierende, die sagen, „sie möchten mit Deutschen zusammen wohnen.“ Enis kann das nicht bestätigen, er hält es eher für die Mentalität des Studierendenwerks: „Ich möchte mit Muttersprachlern hier reden, ich möchte andere kennenlernen. Ich möchte die Chance, nach Deutschland zu kommen, ausnutzen und nicht im eigenen Kreis bleiben.“

63 Prozent der Mietenden des Studierendenwerks sind internationale Studierende. Man achte darauf, dass der Anteil der einzelnen Nationalitäten je Wohnheim nicht mehr als zehn Prozent betrage, so Peito. Eine Praxis, die an Obergrenzen erinnert. Fiora hat einen anderen Eindruck von ihrem Wohnheim in Mülheim: „The whole dorm is inhabited mainly by Chinese and Indian people.“ Sie kenne keine*n Deutsche*n, der*die dort wohne und kritisiert: „The ghettoization of international students is really clear in my dorm and I am surprised that such a situation is allowed.” Mit dem Stand vom 1. Dezember wohnen in ihrem Wohnheim nur acht deutsche, aber 84 internationale Studierende (91,3 Prozent).

Ärger um Mieterhöhung

Enis hatte bei seiner Bewerbung keinen besonderen Wunsch angegeben, weil er dringend ein Zimmer benötigte. Als er im Januar die Benachrichtigung über die zum März wirksame Mieterhöhung erhielt, war er nicht in Deutschland. Erst am 10. Februar konnte er das Schreiben lesen. Trotz Nachweis über ein neues Mietverhältnis, entgegnete man ihm aber, er habe eine neunmonatige Kündigungsfrist bis September. Mehrmals schrieb er das Studierendenwerk an, ging ins Büro, suchte nach Lösungen. Auch der angestrebte Umzug in ein anderes Wohnheim – auch bereits vor der Mieterhöhung – sei erfolglos verlaufen. Bis heute habe er keine Antwort auf den entsprechenden Antrag erhalten. „Das letzte Mal wurde mir in Anführungsstrichen gesagt, ‚Sie können das Zimmer nicht ‚legal’ zwischenvermieten’. Das heißt, dass ich das schwarz vermieten soll, beziehungsweise muss“, beschreibt Enis seine damalige Situation.

Im Nachhinein habe er im Vertrag entdeckt, „wenn die Miete sich erhöht, muss der Student drei Monate vor Anfang des Semesters Bescheid sagen, dann darf er raus.” Hätte er also im Dezember davon erfahren, hätte er den Vertrag beenden können. „Aber sie haben es im Januar gemacht und ich war wie eine sichere Nummer für sie“, äußert Enis seinen Unmut. Er gebe zu, den Vertrag anfangs nicht richtig durchgelesen zu haben, „aber auf der anderen Seite, habe ich mich gefühlt, als ob ich agebzockt werde.“

Laut Studierendenwerk habe man bei einem Teil der Studierenden „durch günstigere Mieten oder Umzüge“ Lösungen finden können, so Knapp. Insgesamt seien aber nur 20 Anträge gestellt worden. Wer einen neuen Mietvertrag vorlegen konnte, hätte den Vertrag vorzeitig beenden können. Man habe auch Einzelfallprüfungen vorgenommen, erklärt Knapp. So bleibt es unklar, warum Enis, trotz pünktlicher Zahlung der Miete, nicht ausziehen durfte.Sowohl er als auch Fiora ärgern sich über die mangelnde Hilfsbereitschaft des Studierendenwerks, unfreundliche Mitarbeitende, die kaum Englisch sprechen könnten und dass zuerst eine Reservierungspauschale von 600 Euro zu zahlen sei, ehe man sich das Zimmer ansehen könne. „They just bombard you with documents and mails written exclusively in German with very specific and hard-to-understand words”, empört sich Fiora. Doch laut Knapp würde zumindest zum deutschen Vertragswerk „eine englische Lesehilfe“ herausgegeben.

Für die Zukunft plane man, „auch eine türkische, arabische, vielleicht auch indische, Lesehilfe“ anzubieten. Enis fasst zusammen, „Das Studierendenwerk ist ein Unternehmen.” und Fiora meint: „They seem to be aiming exclusively at the money.” Es gebe in den Kreisen der internationalen Studierenden etliche Beispiele, die zeigen, was alles schief läuft, so Enis.

*Namen von der Redaktion geändert