Sechs Fäuste für den Feminismus

Die Frauen*vollversammlung wählte ihre neuen Vertreterinnen* für den gemeinsamen Kampf gegen Sexismus und Diskriminierung. (Foto/Symbolbild: caro)

Am Mittwoch, 13. Dezember, wählte die Frauen*vollversammlung die neuen Vertreter*innen des Autonomen Frauen*referats des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA). Neben der Vorstellung vieler neuer Ideen für Veranstaltungen und dem Willen, mehr Aufmerksamkeit für das Referat zu generieren, wurde lange diskutiert, wie viele Stellen es künftig geben soll.

Insgesamt 51 Studentinnen* der Universität Duisburg-Essen (UDE) trafen sich am Mittwoch im Senatssaal und sorgten somit für weit mehr Zulauf als in den vergangen Jahren. Einstimmig wurde die gute Leistung des bisherigen Frauen*referats – bestehend aus Ellen Meister und Merve Taskin – bestätigt. Neben einem veganen Brunch jeden Freitag auf dem Campus Essen, gehörten Sprechstunden auf beiden Campussen sowie Veranstaltungen wie etwa zum Thema Sprache und Diskriminierung als auch ein Selbstverteidigungskurs in Krav Maga dazu.

Neben Meister stellten sich sechs neue Kandidatinnen* zur Wahl: Funda Büker, Dildar Bilgin, Gamze Cavlakli, Ebru Kurnaz, Clara Will und Saskia Wroczynski. Unter allen herrschte der Konsens, das Referat auf beiden Campussen bekannter machen zu wollen und explizit auch den Campus Duisburg zu stärken. Kurnuz gab an, sich als Referentin gerne gegen Mansplaining einsetzen zu wollen, ein Phänomen bei dem Männer* Frauen* vermeintlich allwissend etwas erklären, obwohl sich diese selbst bestens auskennen. Auch Veranstaltungen zu Biographien wichtiger weiblicher Persönlichkeiten zählten zu ihren Vorschlägen. Zudem sagte sie, „an einer Uni, wo Diversity groß geschrieben wird“, sei es schön, wenn auch die Referentinnen* vielfältig seien. Frauen* solle das Gefühl gegeben werden, nicht in die Opferrolle gestellt werden zu müssen. Zu den Plänen Bilgins gehören, sich im Frauen*referat gegen Sexismus, Rassismus und Diskriminierung stark zu machen und Workshops sowie Seminare zu Selbstverteidigung und der Frau* als kämpfende Figur in Kriegen auszurichten. Sie und die Kandidatinnen* Büker sowie Cavlakli sorgten allerdings zwischenzeitlich bei einigen Wählerinnen für Irritationen. Alle drei verwiesen bei ihrer Vorstellung darauf, nicht zu viel über ihre Pläne und Projekte im Frauen*referat verraten zu wollen.

Ein Frauenfestival für die UDE

Eine Wählerin äußerte deshalb ihre Bedenken: „Ich finde das ein bisschen komisch, wenn es um Wahlen und studentische Gelder geht.“ Nach weiteren Erläuterungen zu ihren Plänen konnten diese aber ausgeräumt werden. So erklärte Büker, mit einem Frauen*chor eine Community bilden und so Frauen* empowern zu wollen. Cavlakli ergänzte ihre Pläne zu Vorträgen über Frauen*bilder im 21. Jahrhundert um eine möglichen Vernetzung mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und ein Frauen*festival, bei dem es auch verschiedene Workshops geben solle, die sich etwa damit beschäftigen, wie sich Frauen* aus aufgezwungenen Rollen befreien können. „Bei uns gab es sowas noch nie“, betonte sie und gab an, das Festival im Zweifel auch durch einen Antrag im StuPa auf die Beine bringen zu wollen. Es solle aber nicht in das Campusfest integriert werden, sondern eine eigenständige Veranstaltung darstellen. Die akduell berichtete in dem Zusammenhang bereits von der Unterrepräsentanz von Frauen* auf Festivals. Auch Wroczynski würde eine Konzert von Frauen* für Frauen* begrüßen und schlug vor, man könne die queere Rapperin Sookee einladen.

Meister, die bereits seit zwei Jahren im Frauen*referat tätig ist, wünschte sich, weiter antidiskriminierend zu arbeiten und schlug einen feministischen Leseabend vor, der „alle paar Wochen oder auch einmal im Monat“ stattfinden könne. In der Vergangenheit sei bereits Bedarf an einem Simone-de-Bouvoir-Lesekreis geäußert worden. Der Lesekreis stoß auch bei den anderen Kandidatinnen* auf viel Zustimmung, Will erweiterte den Plan um einen feministischen Filmabend. Wie auch Meister möchte sie mehr Vorträge zum sprachlichen Gebrauch und Diskriminierung anbieten. Generell sei eine starke Stimme für Studierende „und besonders Frauen*“ wichtig. Daher müsse es mehr Ansprechpartnerinnen* geben und ein „bekannterer Rückzugsort und Schutzraum“ gestaltet werden.

Über Feminismus aufklären und sich vernetzen

Meister fügte noch hinzu, auch einen Vortrag zum umstrittenen Paragraphen 219a veranstalten zu wollen, der zuletzt im Zusammenhang mit dem Prozess um die Allgemeinmedizinerin Kristina Hänel in den Medien auftauchte und Ärzt*innen untersagt, Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen anzubieten und ein Relikt aus der Zeit des Nationalsozialismus darstellt (akduell berichtete). Generell solle das Referat „kämpferisch bleiben“, so Meister.

51 Studentinnen* der UDE wählten die neuen Referentinnen* des Autonomen Frauen*referat. Foto: (Aylin Kilic)

Wroczynski gab an, bereits im queerfeministischen Vernetzungstreffen Ruhrgebiet aktiv gewesen zu sein und sprach sich für einen Diskussionsabend einmal im Monat aus. Außerdem würde sie eine erneute Einladung von Women in Exile begrüßen, eine selbstorganisierte Initiative geflüchteter Frauen*, die sich gegen Diskriminierung in der Mehrheitsgesellschaft und unter Geflüchteten engagiert. Des Weiteren strebe sie an, Veranstaltungen zu Antifeminismus in rechten Strukturen, Pornographie und Feminismus sowie einen Graffiti-Workshop anzubieten. Auch eine Kooperation mit dem Referat der Studierenden mit Behinderung und chronischer Erkrankung sei denkbar, „wenn dies auch von denen gewünscht ist“. Auf Nachfrage bestätigte sie, sich auch mit anderen Frauen*referaten des Landes vernetzen sowie stärker „mit den Fachschaften zusammenarbeiten“ zu wollen. Meister ergänzte, dass bereits Kontakte zum Frauen*referat in Bochum und der Initiative Feminismus im Pott bestünden. Aufgrund ihrer Erfahrung als ehemalige Referentin des Öffentlichkeitsreferats des AStAs würde Wroczynski sich gerne „um die Werbung des Frauen*referats kümmern“.

Nach einer langen Diskussion, wie der Stellenzuschnitt des Referats künftig aussehen solle, konkurrierten die Vorschläge vier halbe Stellen und eine volle sowie zwei halbe Stellen zu besetzen miteinander. Während Kandidatin Cavlakli und einige Wählerinnen* betonten, dass es durch vier halbe Stellen kein Machtgefälle geben würde, erklärte Meister, dass eine volle Stelle ermöglichen würde, eine Hauptansprechpartnerin anbieten zu können, die zudem durch die volle Aufwandsentschädigung nicht noch zwingend auf andere Nebentätigkeiten angewiesen sei. Mit 25 Stimmen setzte sich letzterer Vorschlag durch. Für die volle Stelle wurde in einem ersten Wahlgang Meister mit insgesamt 27 Stimmen wiedergewählt. In einem zweiten Wahlgang wurden Wroczynski (26 Stimmen) und Will (25 Stimmen) für die zwei halben Stellen bestätigt. Im Vorfeld erklärten aber bereits alle Kandidatinnen* auch zusammenarbeiten und die verschiedenen Projekte unterstützen zu wollen, wenn sie nicht gewählt werden sollten. Eine der Wählerinnen* hob bereits zu Beginn der Diskussion um den Stellenzuschnitt hervor, es gebe „zu wenige Stellen und zu wenig Geld für das Frauen*referat“ und dass man sich im Studierendenparlament für mehr Unterstützung stark machen solle.