Studieren oder Konsumieren?

Ein Werbeungetüm begrüßt die Studierenden zur Zeit am Campus Duisburg. (Foto: BRIT)

Da steht nun dieser etwa vier Meter hohe und drei Meter breite Werbetower inmitten des Duisburger Campus und wirft einen langen Schatten von Konsum und Kauflust auf die Liegewiese. Auf ihm prangt die Werbung eines Mobilfunkbetreibers und das Versprechen von Datenvolumen liegt in der Luft wie künstliche Vanille in der Kerzenabteilung. Kein angenehmer Geruch. Und kein angenehmes Bild, was sich beim Blick auf den Campus ergibt.

„Werbung is coming“ heißt es im Game of Hochschule aber nicht erst seit gestern. Ständig stehen Vertreter*innen von Krankenkassen, Tageszeitungen oder Autoversicherungen an den Mensen und Bibliotheken. Der Werbetower ist nur der nächste Schritt zur Werbeuni, powered by Vodafone. Ein erster Aussichtspunkt, um auf noch unbekanntem Gebiet die Lage zu sondieren, die erste Bastion auf dem Weg zum Konsumtempel.

Den Unis mangelt es an Kohle. Seit Jahren jammern sie über fehlende Mittel. Warum also nicht freie Flächen mit Werbung vollkleistern und statt der grauen Wände ein paar grüne Scheine in der Tasche? Und warum überhaupt bei den grauen Wänden aufhören?

An den Unis bieten sich doch viel mehr Möglichkeiten, Namensrechte und Werbeflächen zu verscherbeln. Man könnte doch prima Hörsäle, Mensen, Bibliotheken, Campusse oder einfach ganze Universitäten nach finanzstarken Partnern aus der Privatwirtschaft benennen. Nestlé-Universität zu Duisburg, Cornelsen Campus, Bofrost Bibliothek, Werbeblöcke zwischen den Vorlesungen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Zum Glück sind wir von solch dystopischen Zuständen á la Minority Report noch weit entfernt. Trotzdem nervt die Werbung auf dem Campus. Denn die meisten Studierenden kommen tatsächlich – man mag es kaum glauben – in die Uni, um sich Wissen anzueignen und nicht, um sich Verträge und Abonnements aufschwatzen zu lassen. Die Flächen sollten nicht der Wirtschaft, sondern den Studierenden zur Verfügung gestellt werden, um beispielsweise über studentische Projekte und Veranstaltungen zu informieren. Vielleicht schafft es die UDE ja so, zur Bleibeuni zu werden.