2.000 Einzelfälle

Ein Kommentar von Dennis Pesch

Digitalisierung failed. Das Semesterticket auf dem Smartphone ist ein Witz und die UDE ignoriert die Belange der Studierenden. (Foto: dav)

Folgendes dürfte wohl vielen Studierenden der Universität Duisburg-Essen bekannt vorkommen: Das Semesterticket auf der MyUDE-App und die Abschaffung dessen auf der Chipkarte. Seit über zwei Jahren schlägt sich die Studierendenschaft mit diesem Problem herum. Das Ticket auf der App ist nicht abrufbar, kann von Kontrollgeräten der Verkehrsverbünde und der Deutschen Bahn oft nicht gelesen werden, funktioniert auf manchen Betriebssystemen von Smartphones gar oder „nur“ hin und wieder nicht.

Die Universität und die Verkehrsverbünde schieben die Zuständigkeiten immer aufeinander ab. Das Einschreibungswesen, bei dem sich in der Vergangenheit dutzende Studierende beschwert haben, spricht von „Einzelfällen“ und fühlt sich nicht berufen, etwas an der Situation zu ändern. Die Verwaltung empfiehlt den Studierenden, das Ticket auf Papier auszudrucken, obwohl alle von einer notwendigen Digitalisierung sprechen. Ein von Regen getränktes Ticket, das nicht laminiert werden darf, lässt sich aber noch schlechter lesen, als es auf dem Smartphone schon der Fall ist. In einem Monat haben über 2.000 Studierende ohne große Mobilisierung eine Petition unterschrieben, in der das Autonome Fachschaftenreferat die Rückkehr des Semestertickets auf die Chipkarte fordert.

Wer am vergangenen Freitag, 12. Januar, im Senat der UDE war, durfte Bauklötze staunen über Aussagen von Rektorat und Verwaltung: „Das Problem war uns bisher nicht bekannt“, erklärte der Rektor Ulrich Radtke. „Wir können hier nicht alle Probleme des öffentlichen Personennahverkehrs in Deutschland lösen“ und „eine technische Umstellung braucht nun mal Zeit“, meint Sabine Wasmer, Dezernentin des Studierendenservice und zuständig für hochschulpolitische Angelegenheiten. Das sind nur drei Aussagen, die wie Hohn und Spott gegenüber den Studierenden wirken. Weder hat jemand verlangt, alle Probleme des ÖPNV zu lösen, noch war das Problem unbekannt. Eine technische Umstellung benötigt auch keine zwei Jahre, außer eben: Sie funktioniert nicht. Wie auch im Senat teilweise erkannt wurde, ist das vor allem eins: peinlich. Auf der – nennen wir es beim Namen – Scheiße, bleiben ausschließlich die Studierenden sitzen. Wem das egal ist, der kann nicht von sich behaupten, den Aufgaben gegenüber den Studierenden nachzukommen. Es wird Zeit zu handeln, liebe UDE!