CSD in Düsseldorf: Absage vom LesBi-Referat der HHU

Werden in diesem Jahr keinen Spaß am CSD haben: Das LesBi-Referat der HHU. (Symbolbild: dpe)

Vom 1. bis zum 3. Juni soll der Christopher Street Day (CSD) in Düsseldorf durch die Stadt ziehen. Auch die Vertretung von lesbischen und bisexuellen Frauen an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf, das LesBi-Referat, beteiligte sich in der Vergangenheit an den Aktionen. Weil sich „viele Frauen* und non-binaries nicht angesprochen fühlen“, kritisiert das Referat das Organisations-Team des CSD und hat als Konsequenz angekündigt „schweren Herzens […] nicht am diesjährigen CSD in Düsseldorf teilzunehmen.“

Im Mai 2017 hatten 1.500 Menschen am CSD in Düsseldorf teilgenommen, darunter auch Studierende der Düsseldorfer Hochschullandschaft (akduell berichtete). In einem Statement vom Donnerstag, 4. Januar, auf Facebook, schildern die Referent*innen Katharina Sternke und Michelle Mommertz dass ihnen schon im Mai viele Dinge nicht gefallen hätten: „Unter Anderem das Fehlen von All-Gender-Toiletten und die offizielle Party ‚Mandanzz‘, die aufgrund ihres Namens als allgemeine CSD-Party vollkommen ungeeignet ist und von der sich viele Frauen* und non-binaries nicht angesprochen fühlten.“

Unrepräsentierte Communitymitglieder

Doch das CSD-Orga-Team sah deshalb keinen Handlungsbedarf. Denn wie kürzlich vom CSD bekannt gegeben wurde, heißt die offizielle Party nun erneut Mandanzz, also genauso wie der Club, in der die Party stattfinden soll. Grund genug für die Referent*innen, ihre Kritik zu erneuern. Nachdem sie in der Facebook-Veranstaltung des CSD eine Diskussion begannen, stießen sie auf sexistische Reaktionen. Der akduell liegen Screenshots vor, in denen Sternke und Mommertz als „Feministen-Fotzen“ beleidigt werden. Der CSD erklärte auf Nachfrage der Referent*innen: „Wir sehen hier keinen weiteren Handlungsbedarf, unser weiteres Vorgehen haben wir bereits beschrieben.“ Zuvor hatte der CSD angekündigt, das Thema auf der nächsten Versammlung besprechen zu wollen und verwies auf die Meldefunktion bei Facebook.

Der CSD sah sich zu einer weiteren Erklärung der Namensgebung bewegt. Demnach handle es sich bei der Mandanzz nicht um die Übersetzung zu dem englischen man für Mann, sondern man für Mensch. Benannt sei die Mandanzz nach dem Album Mandance (1999) des mit 73 Jahren verstorbenen schwarzen Jazz-Schlagzeugers Ronald Shannon Jackson. Dieser habe damit den Menschheitstanz gemeint. Der CSD erklärte außerdem: „Jedoch finden auch wir, dass die Mandanzz nach 30 Jahren nicht mal eben umbenannt werden kann.“ Für die beiden Referent*innen wenig überzeugende Argumente. Weil die beleidigenden Kommentare trotz Aufforderung nicht gelöscht wurden, erklärte das LesBi-Referat letztendlich, dass sie „keine Veranlassung sehen, am CSD in Düsseldorf teilzunehmen“. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wurde dann der gesamte Beitrag, samt Kritik der Referent*innen, gelöscht. Zufrieden sind die beiden damit nicht, der Umgang sei unprofessionell und intransparent. Es entstehe der Eindruck, die Kommentare seien nach der Devise „nervt nicht weiter“ gelöscht worden. Außerdem sei unklar, ob die Kommentare von Facebook oder den Seitenbetreiber*innen gelöscht wurden.

Bedauerlich sei, „dass Frauen* und Feminismus anscheinend auch in der LGBT* Community nicht ernst genommen werden und man lieber aus Gewohnheit an einem Namen festhält, anstatt inklusiv eine Community zu repräsentieren, die so viel mehr ist als weiße, schwule, Cis-Männer [Anm. d. Red.: Männer, die sich ihrem Geschlecht zugehörig fühlen]“, sagen die Referentinnen. Vom CSD wünscht sich das Referat „mehr Sichtbarmachung von allen vom CSD vertretenen Gruppen. Vor allem Frauen und nicht-binäre Personen sind nicht so sichtbar wie sie es sein könnten“, bemängeln sie. Bis Redaktionsschluss lag der akduell vom CSD Düsseldorf kein Statement vor.