Ein Abend unter Ingenieur*innen

Stil und Klasse auf dem Ball der Ingenieur*innen. (Foto: fro)

Im Herzen der Partymetropole Mülheim an der Ruhr öffneten sich am Samstagabend, 20. Januar, die Tore zur pompösen Stadthalle. Erneut lud der Ball der Ingenieur*innen, dance.ing, tanzwütige Technikbegeisterte zu einem feierlichen Zusammenkommen ein.

Ungefähr 300 mit Anzug und Ballkleid festlich-elitär bekleidete Gäste zelebrierten einen Abend in gediegener Atmosphäre und lauschten den musikalischen Einlagen der Big Band BigBrandits, während sie selbst das Tanzbein über das Parkett geschwungen haben. Für Dieter Schramm, Dekan der Fakultät für Ingenieurswissenschaften der Universität Duisburg-Essen, unterscheide sich der Ball klar von universitären Veranstaltungen, die mit Ehrungen und großen Reden einen sehr formalen Rahmen erhielten. Bei dance.ing stünde das Vergnügen im Vordergrund – und zwar über Universitätsgrenzen hinaus. Denn bereits zum zweiten Mal wurde der Ball gemeinsam mit der Hochschule Ruhr West organisiert, die nur wenige Meter vom Veranstaltungsort ansässig ist. „Dies zeigt die Verbundenheit unserer Hochschule in der Region auch außerhalb des Studienbetriebs“, betont Schramm.

Sichtlich erfreut ist er auch über die Teilnehmer* innenzahl. Der Hauptsaal der Stadthalle ist gut gefüllt. Noch einmal 80 Besucher*innen mehr als im Vorjahr konnten für die Festivität gewonnen werden, jubiliert Schramm in seiner kurzen Eröffnungsrede. „Von den 300 Teilnehmern sind lediglich ein Drittel Studierende“, schätzt Sara Tekaat vom Fachschaftsrat Informatik weniger euphorisch, als sie ihren Blick durch den Saal schweifen lässt. Es sei schade, dass die Veranstaltung größtenteils von Dozierenden besucht werde. Dabei habe der Förderverein Ingenieurswissenschaften der Universität Duisburg-Essen, der den Ball organisiert, angestrebt, mehr Studierende zu mobilisieren. Gemeinsam mit Sven Unterberg vom Fachschaftsrat Maschinenbau sollte die Veranstaltung bei Studierenden publik gemacht werden. „Wir wurden aber wenig einbezogen“, beklagt sich Tekaat über den Förderverein. Wichtige Informationen hätten sie erst sehr spät erhalten. Außerdem moniert sie sich über studierendenunfreundliche Preise. Zwar kosten die ersten drei Biere für Studierende nur je einen Euro, doch muss man für ein Glas Sekt 6,50 Euro zahlen und auch das Essen liegt in einer höheren Preisklasse.

Selbstgebaute Rennwagen

Anders als Schramm ist die Fachschaftsrätin Tekaat nicht von der in der unteren Etage separat eröffneten Tanzfläche begeistert. Dieses Modell wurde an diesem Abend zum ersten Mal erprobt. Dadurch trenne man die Veranstaltungen, meint sie – und scheint damit Recht zu haben. Während der Dekan die „Discoatmosphäre“ lobt, tummeln sich viele Besuchende statt auf der Tanzfläche im unteren Bereich eher im Foyer, um mit allerlei kuriosen Accessoires wie einem Fischhut Fotos zu machen oder die Rennwagen des E-Team Duisburg- Essen e.V. und von eMotion Racing der Hochschule Ruhr West anzuschauen. „Es wurde komplett in Eigenregie von den Studenten der Universität Duisburg-Essen gebaut“, sagt Adrian Kornblum vom E-Team. Über 30 Studierende aus ingenieurswissenschaftlichen Studiengängen konstruieren einmal im Jahr einen Elektro-Rennwagen. Ungefähr 80.000 Euro hat der Wagen gekostet, den das Team auf der dance.ing präsentiert. Circa die Hälfte der finanziellen Mittel stelle die Universität bereit, die andere Hälfte beschaffe sich die Studierenden von Sponsor*innen.

An verschiedenen Events treten sie gegen andere Teams aus der ganzen Welt an. In diesem Jahr werden sie mit ihrem Wagen unter anderem in Italien gegen andere Studierende auf die Rennstrecke steigen, erzählt Kornblum. Das alles erfordere Engagement und Zeit – ungefähr acht Stunden pro Woche solle man einplanen. Einmal wöchentlich treffen sich die Studierenden gemeinsam, ein weiteres Mal in speziellen Arbeitsgruppen. „Man sollte vor allem einfach Interesse und Motivation mitbringen, in einem Team gemeinsam an einem technischen Projekt zu arbeiten. In der Uni lernt man oft Dinge, die sehr theoretischer Natur sind – gerade in den Ingenieurswissenschaften. Wenn der Wunsch da ist, das auch mal in der Realität zu sehen, ist man bei uns richtig“, sagt Kornblum.