Hauptsache Digitalisierung?

Die Online-Wahl kommen an die Universität Duisburg-Essen. (Foto: BRIT)

von Sarah Dannehl

An der Universität Duisburg-Essen soll es bald womöglich Online-Wahlen geben. Das entschied der Senat am 12. Januar, während das Konzept der Firma Polyas den AStA der vergangenen Legislaturperiode nicht überzeugen konnte. Als fraglich unter den Kritiker*innen gilt vor allem, inwiefern das Wahlgeheimnis eingehalten und ob für eine sichere Durchführung fern von Hacker*innenangriffen garantiert werden kann.

Von zuhause aus oder unterwegs abstimmen klingt erstmal zeitsparend und bequem in einer digitalisierten Welt, in der alles ganz schnell gehen muss. Doch wenn der eigene Laptop, das Smartphone oder sonstige Technikwunder von Viren befallen sind, könnte auch eine vermeintlich sichere Wahlsoftware außer Gefecht gesetzt werden. Schadsoftware könnte gezielt auf solche Fehler bauen. Hinzu kommt, dass nur eingerichtete Wahl-PCs an der Universität das Wahlgeheimnis wahren könnten. In Internetcafés, zuhause oder unterwegs besteht das Risiko, dass auch Dritte die Stimmabgabe beobachten könnten. Dann wäre die von Polyas versprochene rechtssichere Wahldurchführung nicht gegeben.

Neben der angeblich rundum sicheren Wahlsoftware, sollen Online-Wahlen aber auch für Wunder bei der seit Jahren niedrigen Wahlbeteiligung sorgen. Aus einer Studie von Kaspersky Lab von 2017, in der 3.000 Bürger*innen befragt wurden, geht hervor, dass 56 Prozent der Wahlberechtigten lieber online wählen möchten. Unter den Nichtwähler*innen würde allerdings nur jede*r Vierte digital abstimmen. Zwar ist also zunächst ein Anstieg der Wahlbeteiligung wahrscheinlich, wie lange dieser Trend anhält und ob er letztlich allein auf die digitale Alternative zurückzuführen ist, bleibt jedoch fraglich.

Ein Grund für die geringe Teilnahme an universitären Wahlen dürfte vor allem auch das mangelnde Wissen darüber sein, was in den einzelnen Gremien von wem für wen entschieden wird. Hier muss für mehr Transparenz und Präsenz gesorgt werden, die sich nicht allein auf das Hochladen von Protokollen beschränken darf. Studierende und Mitarbeitende sollten über ihre Möglichkeiten der Mitwirkung an universitären Prozessen besser aufgeklärt werden, sind aber gleichzeitig auch gefragt, sich selbstständig mit der Institution Universität näher zu befassen, um an Entwicklungen beitragen zu können. Wie wäre es also, zuerst die Risiken einer digitalen
Wahl zu berücksichtigen und die eigene Arbeit zu reflektieren, ehe man sich auf ganzer Linie der Digitalisierung unterwirft?