Rasant und derb – Roller Derby

Mit einem Sieg von der Bahn gehen die Roller Girls als Team – nicht als Einzelspielerinnen. (Foto: Alina Hornbostel)

Der Sport ist schnell, hart – und weiblich! Beim Roller Derby geht es manchmal ganz schön zur Sache. Genau das Richtige für die Frauen von den RuhrPott Roller Girls aus Essen. Bei ihrem ersten Stammtisch im neuen Jahr, 4. Januar, hat die akduell mit dem Team darüber gesprochen, worum es beim Roller Derby geht und vor welchen Herausforderungen sie stehen.

Roller Derby wird auf Rollschuhen auf einer ovalen Bahn gespielt. Dabei bestehen die zwei gegnerischen Teams aus jeweils vier Blockerinnen und einer Jammerin. Ihre Aufgabe ist es, durch das gegnerische Team durchzufahren und es zu überholen. In der nächsten Runde gibt es dann jeweils einen Punkt für jede überholte gegnerische Spielerin. Die Blockerinnen versuchen ihre Jammerin dabei zu unterstützen und gleichzeitig die des anderen Teams zu behindern.
Traditionellerweise hat jede Spielerin einen Derby-Namen, sozusagen einen Künstlernamen. Der Vollkontakt-Teamsport stammt aus den USA der 30er Jahre und erlebt seit den frühen 2000ern als Flat Track Roller Derby auch in Europa ein Revival. Die RuhrPott Roller Girls haben sich 2009 gegründet. Regelmäßig tritt die Truppe mit Spielerinnen zwischen 21 und 40 Jahren gegen Teams aus ganz Europa an.

„Jeder wird gebraucht“

Die Sportart sei eng mit der Punk-Szene verbunden, erklärt Gesa, alias Maddie Munchkin, ehemalige Studentin an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Daher käme auch die Do-It-Yourself-Mentalität. Alles wird selbst organisiert, die Spiele, die Hallen, die Finanzierung, die Verpflegung. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei anderen Sportarten genauso funktioniert“, meint Alex, offizieller Schiedsrichter für das Roller Derby. Genauso stark stünde bei dem Sport auch das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund, beschreibt er, „das ist alles eine große Familie“. Auch für Melina, alias Hulkie, hat die Gemeinschaft einen besonderen Stellenwert. Ihr gefalle am meisten, „dass man sich während des Spiels nicht leiden kann, aber danach zusammen feiern geht“.

Dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Stammtisch. Gemütlich geht es im Essener Café Nord zu. Es wird viel gelacht und sich lautstark quer über den ganzen Tisch unterhalten. Die Spielerinnen erzählen mit viel Begeisterung, was sie am Roller Derby fasziniert. Es handle sich in vielerlei Hinsicht um einen außergewöhnlichen Sport, erklärt Gesa. „Jeder hat seinen Platz. Du musst nicht schon von Kindesbeinen an Sport gemacht haben, jeder kann mitmachen. Das heißt jeder, der sich als Frau versteht. Egal ob du groß oder klein, dick oder dünn bist, das ist egal. Jeder wird gebraucht“. Für die RuhrPott Roller Girls ist es besonders wichtig, dass es sich um einen rein weiblichen Sport handelt. „Von Frauen für Frauen“, betont Nina, alias Ninoy. „Es gibt ja Fußball und Frauenfußball oder Volleyball und Frauenvolleyball. Frauen spielen immer die zweite Geige. Beim Roller Derby stehen sie im Vordergrund“. Der feministische Aspekt sei eine maßgebliche Seite des Sports und werde von manchen sehr stark ausgelebt, bestätigt Gesa.

Auch für die Zuschauer*innen ist ein Spiel der RuhrPott Roller Girls immer ein Erlebnis. Steffi ist nicht nur „Spielerfrau“ und Studentin an der UDE, sondern feuert das Team auch leidenschaftlich gern vom Spielfeldrand aus an. „Es ist immer aufregend, weil es sehr taktisch geprägt ist. Am Anfang sind die Regeln sehr schwierig zu verstehen, aber es ist spannend, wenn man die Strategien versteht“, berichtet sie.

Viele Spiele finden in der Rollsportarena in Essen-Frohnhausen statt, die für zirka 160 Gäste Platz bietet. „Es würden auch mehr Leute kommen, aber mehr passen eben nicht rein. Manchmal müssen wir die Leute dann sogar wegschicken“, berichtet Mel. Dafür, dass die Zuschauer*innenzahl weit niedriger ist als bei anderen Sportarten, würde es bei jedem Spiel trotzdem immer sehr laut zugehen, lacht Steffi. „Manche bringen auch Trommeln mit und machen richtig Stimmung“, erzählt sie.

Verschiedene Herausforderungen

Trotz der wachsenden Beliebtheit steht das Team vor immer neuen Hürden. Die Roller Girls finanzieren sich durch monatliche Mitgliedsbeiträge und aus Einnahmen aus Heimspielen. Gesucht werden aber immer auch Sponsor*innen, besonders wenn aufwendigere Reparaturen anstehen. „Wenn größere Anschaffungen offen sind, schauen wir immer, dass jeder sich das irgendwie leisten kann und dann teilen wir das auf“, erklärt Mel. Laut Gesa sei es zudem manchmal schwierig, geeignete Trainingsräume zu finden.

Im Sommer trainiert das Team oft auf der Rollschuhbahn im Grugapark und ansonsten häufig in der Frohnhausener Rollsportarena. Trotzdem sind die Skaterinnen immer auf der Suche nach Räumen. „Wir haben momentan Probleme, in städtische Hallen zu kommen, weil die Hausmeister immer der Meinung sind, wir würden die mit unseren Rollschuhen kaputt machen“, beschwert sich Gesa. Irgendwie würde es aber immer klappen. Dreimal die Woche trainieren die fortgeschrittenen Skaterinnen, die Anfängerinnen zweimal. Dazu gibt es noch ein freiwilliges Fitnesstraining. Geschult wird am Anfang besonders wie man richtig fährt, fällt und sich abfängt. „Da darf man auf jeden Fall nicht zimperlich sein“, sagt Gesa lachend, schlimme Verletzungen gäbe es aber kaum. Später lernen die Spielerinnen dann Spielzüge und Strategien. Beim Training und bei Spielen tragen die Teammitglieder außer Rollschuhen Knie- und Ellbogenschoner, einen Helm, einen Mundschutz und Trikots. Die Zeiten von Netzstrumpfhosen, wie es in vielen Teams, besonders in Amerika, immer noch Brauch ist, seien allerdings vorbei, meint Gesa. „Wir wollten weg von diesem ganzen Halli Galli“. „Es hat sich mittlerweile zu einem ernsthaften Sport entwickelt“, bestätigt Leela.

Die zehn weltbesten Roller Derby Teams treten jährlich bei den WFTDA Championships gegeneinander an. Zudem gibt es den Roller Derby World Cup im Dezember und mehrere größere europäische Turniere. Auch die Roller Girls mischen bei den verschiedenen Wettkämpfen kräftig mit. In der Vergangenheit traten sie mit Erfolg bei deutschen Meisterschaften an und gelten nun als eines der fünf besten Teams in Deutschland, was sie zur Teilnahme an der ersten Bundesliga berechtigt. Wann sie das nächste Mal im Ausland spielen werden, ist noch unklar. „Spiele im Ausland hängen immer auch von der Teamkasse ab. Oft fahren wir dann zum Beispiel nach Holland oder Belgien“, sagt Mel.

Die nächsten fest geplanten Heim- und Auswärtsspiele finden im April statt. Was davor oder danach geschieht, ist noch in Planung. Neugierige sind aber herzlich zum Rookie-Tag am 24. Februar eingeladen. Dort können Interessierte sich Rollerblades an die Füße schnallen oder ganz unverbindlich Derby-Luft schnuppern. Mehr Infos dazu gibt es bei Facebook. Wer es bis dahin nicht abwarten möchte, kann die Roller Girls auch beim nächsten Stammtisch kennenlernen, der immer am ersten Donnerstag im Monat im Café Nord in Essen stattfindet.