Beste Lehre gesucht

Liebe Studis, wessen pädagogisches Handwerkszeug war 2017 denn besonders beeindruckend? (Foto:BRIT)

Bis zum 30. März haben die Fachschaftsräte noch Zeit, die Lieblingsprofessor*innen der Studierenden für den Lehrpreis 2017 vorzuschlagen. Im Rahmen des Dies academicus sollen Engagement und Leistungen von Einzelpersonen des wissenschaftlichen Personals oder Gruppen in der Lehre belohnt werden. Wie genau sich die Superprofs ihre Titel verdienen, erscheint allerdings fragwürdig.

Auch wenn der ergraute Ordinarius schon lange nicht mehr aus seinem von Kaffeeflecken verschmierten Notizheft vorliest, bleiben Studierenden uninspirierte Vorlesungen nicht erspart. Schlechte Programmgliederungen, niemals lesbar gewesene Tafelbilder, gefühlt 20 Jahre alte Folien, die der Reihe nach über den längst ausgedienten Tageslichtprojektor gelegt werden oder für immer und ewig tot gelangweilte Dozierende – Lehrveranstaltungen können schnell misslingen. Es ist nur eine Form der Wertschätzung, die zu belohnen, die es richtig machen. Die, die ihr Fach kennen, auf die Bedürfnisse ihrer Studierenden eingehen und sich nicht gegen mediale und didaktische Fortschritte wehren.

Das dachten sich vermutlich auch die Veranstalter*innen des Dies academicus der Universität Duisburg-Essen und etablierten den „Preis für besonders in der Lehre engagierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen“. Die Auszeichnung wird seit dem Jahr 2008 vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert, die wiederum in Lehre und Forschung fließen sollen. Die Summe stammt aus den Haushaltsmitteln der Universität. „In der Regel soll eine Person oder eine Gruppe prämiert werden. Oftmals haben wir mehrere Favorit*innen und splitten das Preisgeld“, erklärt AStA-Vorsitz Marcus Lamprecht (Grüne Hochschulgruppe).

Er und drei weitere studentische Vertreter*innen sitzen im Preiskomitee, das von der Kommission für Lehre, Studium und Weiterbildung gewählt wird. Dort herrscht eine studentische Mehrheit. „Darüber hinaus setzt sich das Komitee aus einer lehrenden Person, Vertreter*innen des akademischen Mittelbaus und jener stimmberechtigten Prorektor*in für Studium und Lehre, zusammen“, sagt Lamprecht. Ist sich das Preiskomitee einmal einig, unterbreiten sie dem Rektorat einen Vorschlag. „Es ist vorgesehen, dass das Rektorat diesem Vorschlag folgt. Das geschieht in der Regel auch“, so Lamprecht.

Lehrpreisträger*innen der Vergangenheit

Vorbildlich voran geht die Doktorandin und Preisträgerin aus dem Jahr 2016 Nina Preyer. Als Lehrende der Fakultät für Geisteswissenschaften am Institut für Romanische Sprachen und Literatur habe sie vor allem mit der Verknüpfung von fachlichen Themen mit dem gesellschaftlichen Alltag Begeisterung wecken können. „Auch die Betreuung in Sprechstunden und das vielseitige Arbeitsmaterial ihrer Veranstaltung sind Gründe für ihre Auszeichnung“, erklärt die Pressesprecherin des Rektorats Cathrin Becker.

Ihre Seminare würde zudem soziale Werte wie Weltoffenheit, Toleranz und kritisches Denken vermitteln. Ebenso überzeugend war eine Lehrgruppe der Allgemeinmedizin unter der Leitung von Professor Stephan Gesenhus mit Herman C. Römer, Gabriele Fobbe, Martina Heßbrügge und Sandra Hamacher. „Durch verschiedensten Lehrveranstaltung, sowohl Pflicht- als auch Wahlveranstaltungen, hat das Team Studierenden das Fach der Allgemeinmedizin nahegebracht“, so Becker.

Wer vergibt den Preis?

Sehr abstrakt sind nicht nur die von Pressesprecherin Becker beschriebenen Beweggründe der vergangenen Preisvergabe. Auch die Vorschlagsfindung des Preiskomitees erscheint erst mal wenig praktisch und studentisch. Vorangegangene Anträge durch die Fachschaftsräte dienen dabei als Grundlage. Diese bestehen aus einer zweiseitigen Begründung des Fachschaftsrates, der Vita, Publikationsliste, besonderen Leistungen in der Lehre, einer Auswahl von Lehrmaterialien und einer Evaluation des Lehrenden. Detaillierte Informationen, die ohne die vorherige Einweihung der Lehrenden nicht möglich erscheinen. „In einigen Fällen haben wir auch gemerkt, dass da mal mehr und mal weniger Einfluss mitgewirkt haben könnte. Das wollen wir aber vermeiden“, so Lamprecht.

Darüber hinaus muss jeder Vorschlag durch den*die Dekan*in der jeweiligen Fakultät der Form halber ein schriftliches Einverständnis ablegen.
Einen persönlichen Eindruck von der als herausragend bezeichneten Lehre macht sich das Preiskomitee allerdings nicht. „Da wir meistens auch keine andere Möglichkeit haben, treffen wir unseren Kandidatenvorschlag unter anderem aufgrund von Powerpoint-Präsentationen“, sagt Lamprecht.

Für einen Besuch von Veranstaltungen oder Vorlesungen sei hingegen meistens keine Zeit. „Oder wir befinden uns in den Semesterferien und haben gar nicht erst die Gelegenheit, uns die Lehre anzuschauen“, ergänzt er. Inwieweit die Präsentationen verschiedener Fachbereiche und Dozierende wirklich vergleichbar sind, bleibt äußerst fraglich.

Knappe Auswahl von Anträgen

Die Lehre anhand von Powerpoint-Präsentationen zu bewerten, ist die eine Sache. Gleichermaßen strapaziert wird die Glaubwürdigkeit des Lehrpreises beim Betrachten der Anzahl der Anträge. So würden Studierende das Angebot, gute Lehre auszuwählen, wenig nutzen. „Die Fachschaftsräte bemühen sich meistens darum, die Anträge zu unterbreiten. Dass diese von einzelnen Studis kommen, habe ich bisher nicht erlebt“, so Lamprecht.

Gerade einmal neun Anträge habe es im vergangenen Jahr gegeben – was bei 11 Fakultäten ziemlich mau erscheint. Ein Interesse, Studierende in diese Preisverleihung zunehmend einzubeziehen, scheint von Seiten der Fachschaftsräte quasi nicht vorhanden. Vorschläge für Werbeaktionen wie Informationsstände auf dem Campus wurden bisher nicht umgesetzt.

Nicht nur an der tatsächlichen Bewertung durch Studierende hapert es. Auch die isolierte Betrachtung einzelner Fachbereiche erscheint in Zeiten enthusiastischer, von ihrem pädagogischen Auftrag beseelter Hochschuldidaktiker*innen wenig progressiv. Wünsche nach innovativer Lehre wie mehr fachübergreifenden Austausch und institutionelle Vernetzung werden beim Lehrpreis offenbar ausgeklammert. Fakultätsübergreifende Projekte fallen nämlich raus.