Keine Funkstille mehr auf 105,6 MHz?

Stehen oder sitzen? Die Arbeit mit dem Mikrofon ist umständlich. (Foto: BRIT)

Fast zwei Jahre herrscht Stille auf der Essener Frequenz von Campus FM, dem offiziellen Hochschulradios der Universität Duisburg-Essen und der Folkwang Universität der Künste. Manche Hörer*innen vermissen die Morgensendung „Aufgeweckt”, andere die Campuscharts. Jetzt gibt es Hoffnung auf einen Umzug in die alten Räumlichkeiten, die Wiederaufnahme des Essener Sendebetriebs und zuverlässige Technik.

Glücklich waren die Mitglieder von Campus FM von Anfang an nicht mit ihrem Umzug in die Weststadttürme am Berliner Platz. Die Liste der Herausforderungen ist zwei Jahre später viel länger als befürchtet. „Neben dem nicht aktiven Sendebetrieb in Essen, fehlt uns die Campusnähe”, erklärt Niklas, der als Redakteur beim Hochschulradio aktiv ist. Schließlich sei es ja genau das, worum es im Lokaljournalismus ginge: dass keine noch so intensive Telefon- und Internetrecherche vom Schreibtisch aus die Beobachtung aus direkter Nähe ersetzen kann. „Und selbst wenn die Weststadttürme nicht weit weg sind, ist es trotzdem schwer, spontan O-Töne aufzunehmen oder schnell auf Ereignisse am Campus reagieren zu können”, sagt der Redakteur.

Geschuldet ist die Distanz Sanierungsarbeiten im R12-Gebäude, die seit März 2016 andauern (akduell berichtete). Die Sehnsucht nach dem Rückumzug ist groß, Geduld und Ausdauer durch die zahlreichen Belastungen mittlerweile überstrapaziert. „Da man uns keinen konkreten Umzugstermin genannt hat, haben wir zum Jahresanfang einfach mal beim Gebäudemanagement nachgefragt”, erzählt Niklas. Und plötzlich wurde die zweijährige Wartezeit um ein weiteres Jahr erhöht. „Es hieß dann, dass der Rückumzug nach R09-011 nur als Gesamtpaket mit allen Mitarbeitern aller Fachbereiche in den Semesterferien im Sommer 2019 stattfinden könnte”, sagt Niklas. Der Grund: Die Räumlichkeiten seien erst mitten im Wintersemester – um genau zu sein im November 2018 – bezugsfertig. Insbesondere von Lehrenden kam der Wunsch, den Umzug in die vorlesungsfreie Zeit zu legen.

Als der Verein dem Gebäudemanagement gegenüber seine große Unzufriedenheit äußert, lenkt dieses ein. Verspricht große Bemühungen, den Umzug doch schon Anfang des kommenden Wintersemesters umzusetzen. „Wir können nur darauf hoffen, denn eine hundertprozentige Sicherheit haben wir dabei bisher nicht”, so Niklas.

Ausfälle durch überholte Technik

Die nahezu unerschütterliche Lust am Radiomachen der nicht entlohnten Redakteur*innen ist für Außenstehende ziemlich beeindruckend. Schließlich sind die tote Frequenz 105,6 MHz, die fehlende Campusnähe und improvisierte Räumlichkeiten nicht ihre einzigen Sorgen. „Die längst überholte Radio-Software Namens mAirList kooperiert nicht mit unserem Mischpult, wodurch es häufiger zu Ausfällen kommt”, erklärt Timo, der im Vorstand von Campus FM ist. Die Folge: Keine Musik, wieder Stille. Und zwar solange, bis eins der Mitglieder zufällig am Wochenende mal einschaltet, die Störung bemerkt, sich aufrafft schnell in den Sender zu fahren, um alles neu zu starten. Die minderwertige Technik erschwert aber nicht nur die sendefreie Zeit. „Als wir vor kurzem einen DJ in einer Livesendung hatten, ist unser Programm abgestürzt, woraufhin uns sogar Beschwerden erreicht haben”, sagt Timo. Unprofessionelles Radiomachen, für das nicht seine Macher*innen verantwortlich sind, das aber die Hörer*innen enttäuscht. „Deswegen werden wir den Umzug für Neuanschaffungen nutzen”, sagt Timo.

Neuer Haushaltstopf

Der letzte Antrag, den bisherigen Haushaltstopf des Hochschulradios von 4.000 Euro auf 9.074 Euro zu erhöhen, wurde im Studierendenparlament angenommen. „Da wir einen angestellten Techniker vom Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik haben, können wir ein paar Dinge über den Lehrstuhl kaufen”, erläutert Timo. Dazu zählen beispielsweise neue Office Plus-Lizenzen und der Windows Server. Um die Sendeausfälle und die damit einhergehenden kurzfristigen Wochenendausflüge in den Sender künftig zu vermeiden, soll außerdem ein neuer Studiorechner (3.000 Euro) und die aktuellste Software (2.200 Euro) angeschafft werden. „Der Rechner läuft dann dauerhaft, was uns auch einiges an Arbeit erspart”, sagt Timo. Aktuell muss dieser radiountauglich morgens an und abends wieder abgeschaltet werden – obwohl das Radioprogramm 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche läuft.

An Personal hapert es derzeit ebenfalls im Sender. Während bei bekannten Hochschulradios wie Kölncampus mehr als 100 Mitglieder aktiv sind, gibt es an der Universität Duis-
burg-Essen gerade einmal 25. Das von der Uni verursachte Chaos erscheint vielleicht abschreckend für Nachwuchsredakteur*innen. „Den aufgestockten Haushalt wollen wir deswegen auch für Promotion nutzen, um mehr Studis in unsere Arbeit einzubeziehen”, sagt Timo.