Nachbarschaftstreffen im neuen Essener Alibi

Seit einem Monat ist der Raum der Öffentlichkeit zugänglich. (Foto: lys)

Das Alibi, ein selbstverwaltetes Freiraumprojekt in Essen, wurde vergangenen Monat nach einer langen Winterpause in neuen Räumlichkeiten wieder eröffnet. Bei Kaffee und Kuchen erzählen die Organisierenden beim zweiten Nachbarschaftstreffen, was demnächst ansteht, wie der Umzug gelaufen ist und welche  Möglichkeiten zum Mitmachen bestehen.

Im Erdgeschoss eines weißen Reihenhauses in der Holzstrasse 12, das einen Steinwurf von der Essener Uni entfernt ist, befinden sich die Räumlichkeiten. In drei Zimmern verteilen sich etwa 15 Personen vor Kunstwerken an weißen Wänden, um Sitzecken und an einer Theke mit Informationsmaterial. „Im Vergleich zum alten Alibi werden weniger Konzerte und Parties stattfinden und dafür mehr politische und Kunstveranstaltungen“, erzählt Organisatorin Lisa, die von Anfang an mit dabei war. An der Besetzung der Bärendelle-Schule (akduell berichtete) sowie der Kampagne „AFFE – für Freiräume in Essen“ hat sie schon mitgewirkt, nun engagierte sie sich auch bis hin zur tatsächlichen Umsetzung des Raums und dem Umzug in die Holzstraße. „Nachdem sich die Ratsgruppe Schöner Links aufgelöst hat, konnten wir den alten Raum nicht mehr bezahlen. Es war erstaunlich zäh, trotz des großen Leerstands in Essen, eine neue Räumlichkeit zu finden“, berichtet Thomas aus dem Organisationsteam. Seit Mitte Januar liefen die Renovierungen, eröffnet werden konnte zwei Monate später.

Was Besucher*innen erwartet

Etwa 20 Menschen planen und bespielen jetzt den über den Verein Denkodrom e.V. gemieteten Raum. „Es soll aber kein Projekt für unsere Gruppe sein“, betont Thomas. Man stehe in Kontakt mit verschiedenen Gruppen wie der Ho*me-Initiative für LGBT*-Geflüchtete, Essener Ateliers und der Gruppe Roma Art Action. Diese wollen die Räumlichkeiten nutzen. Auch Spiele- und Filmabende, Frauen*- Lesben*- Trans*- Interpersonen* -Brunch oder Kreativtage sind geplant, ebenso wie ein Sommerfest im Juni. Wer hier ein Projekt umsetzen oder mitmachen möchte, „kann uns bei Veranstaltungen ansprechen. Innerhalb der Lärmschutzbestimmungen ist hier alles erlaubt“, erklärt Thomas und ergänzt:„Wir sind aber nach wie vor ein linkes Zentrum“. Insbesondere am Selbstverständnis der Gruppe würde das deutlich. „Selbstverwaltung ist ein politischer Begriff. Die, die den Raum nutzen, treffen auch die Entscheidungen“, erzählt Lisa. Es gehe darum, einen unkommerziellen Raum zu bieten, in dem nicht konsumiert werden muss und wo Selbstentfaltung innerhalb eines Schutzraums möglich wird und „gesellschaftliche Missstände wie Rassismus und Sexismus keinen Zutritt haben“. Dafür „müssen alle verantwortlich sein und die Augen offen halten“.

Man konzentriere sich jetzt darauf, ein gutes Verhältnis zu den Nachbar*innen aufzubauen und Veranstaltungen in Gang zu bringen. Ein Nachbar freut sich über die Neueröffnung, „solange keine Open-Air-Veranstaltungen stattfinden“. Ein anderer Besucher wirft ein, dass hier die Dinge „von unten“ mit Eigeninitiative passieren. Wer mitmachen möchte oder vorbeischauen will, findet einen Veranstaltungsticker bei alibi-essen.de.